Jour fixe Archiv 2005 - 2021

2005

05.12.2005 – Ein Meisterwerk der Neuen Musik

Ein alter Hut? Annäherung an Bela Bartoks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta.
Referent: Prof. Gerd Lisken

2006

04.12.2006 – Samir Odeh-Tamimi
Der arabische Komponist Samir Odeh-Tamimi gibt eine Einführung in sein Schaffen.

04.09.2006 – Jour-Fixe zur Diagonale 06
Am Montag, den 4. September um 20 Uhr findet in der Capella hospitalis ein Jour fixe der Cooperativa Neue Musik statt. Es geht an diesem Abend um neue musikalische Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen der Musik, wie Klassik, Jazz, Rock, Hip Hop, Klangkunst, Noise sowie in spartenübergreifenden Projekten: Musik und Tanz, Kunst, Film, Text oder Performance. Eine Auswahl an Künstlern und Künstlerinnen, die sich bei der Diagonale 2006 am 9. September beteiligen werden, stellen während des Jour fixes ihre Arbeit vor. Durch Klangbeispiele und Erläuterungen werden sie die Besonderheiten ihres Genres und ihre eigene spezielle Ausprägung vermitteln. In einer anschließenden Diskussion mit dem Publikum können die Zusammenhänge sowie die signifikanten Unterschiede dieser neuen Musiken reflektiert werden. Die Moderation des Abends übernimmt der künstlerische Leiter der Diagonale Willem Schulz.

12.06.06 – Das Violinkonzert
Hommage a Louis Soutter (1871-1942) des Schweizer Komponisten Heinz Holliger (1939), mit Beiträgen zur Musik von Heinz Holliger, Referentin Anke Züllich-Lisken Und mit Beiträgen zur Malerei von Louis Soutter.
Referent: Dr. Jürgen Conrady.

08.05.06 – Eric Janson (*1967)
Schüler von Isabel Mundry, stellt als Stellvertreter der jüngeren Komponistengeneration seine Kompositionen in Analyse und Klangbeispiel vor.

03.04.06 – Scelsi 100 ein Rückblick auf das Jubiläumsjahr
Referent: Dr. Ulrich Maske

06.03.06 – Sidney Corbett: Einführung in seine Oper Noah (Uraufführung 2001 im Theater Bremen)
Referent: Sidney Corbett

13.02.06 – Die Diagonale, ein Projekt der CNM.
Film- und Tonbeiträge, Rückblick, Neuplanung und Diskussion
Referent: Willem Schulz

06.01.06 – Sofia Gubaidulina
Streichquartett Nr.3. Hörgenuß und Einführung in die Komposition
Referentin: Anke Züllich-Lisken

2007

05.11.2007 – Der Musik-Spieler
Das merkwürdige Leben und Werk des Komponisten Gordon Sherwood
Referent: Dr. Ulrich Kahmann

03.09.2007 – Konzerteinführung
für das FabrikKonzert mit dem open string quartet
Referent: Willem Schulz

02.04.2007 – Tod und Trauer in der Neuen Musik
Refernt: Dr. Ulrich Maske

05.03.2007 – Philipp Maintz
Philipp Maintz, Komponist: über den Einfluß der seriellen Musik auf meine Kompostionstechnik

05.02.2007 – Frank Zappa
Referent: Prof. Gerd Lisken

08.01.2007 – Margarete Huber
Margarete Huber aus Berlin (ehemals Bielefeld), Komponistin und Sängerin, stellt einige ihrer Werke vor.

2008

01.09.2008 – Alexander Skrjabin –
Übermensch oder Klangkünstler?
Refernt: Dr. Ulrich Maske

02.06.2008 – Underground der Internetgeneration:
AmbientImprovisation zwischen GitarrenPunk und LaptopMusik
Referent: Peter A. Worringer, Köln

05.05.2008 – Marcus Beuter – fragment recordings
Referent: Marcus Beuter

07.04.2008 – Komponistinnenportrait –
Anna Ikramova
Referent: Danel Debrow

03.03.2008 – Scelsi und die Folgen oder: Wenn der Ton die Musik macht.
Referent: Dr. Ulrich Maske

2009

02.11.2009 –
„Neue Frömmigkeit in der neuen Musik?“
Referent: Dr. Ulrich Maske

05.10.2009 – „Expressivität und Phantastik“
Gesprächskonzert mit Prof. Siegfried Mauser, Klavier,
Klavierwerke von Beethoven und Rihm
Jubiläumskonzert III in der Kunsthalle Bielefeld als Jour fixe

07.09.2009 – minimal music
„vielgeschmäht und nie erreicht“
Referent: Prof. Gerd Lisken

08.06.2009 – z.b.pohl intim
Der Bielefelder Künstler präsentiert sein Wirken zwischen Forschungswahn und Spieltrieb, Improvisationsbedürfnis, genialem Dilettantismus und musikalischer Demokratisierung.

04.05.2009
Werkstattgespräch zur Klangperfromance – 2Trichtern
Hans Wilhelm Specht und Henning Schweichel
Sie verstehen 2Trichtern als musikalische Forschung im Grenzbereich/Übergang zwischen Geräusch | Klang | Bild.

06.04.2009 – Klangskulpturen
Heinz Georg Kreiterling, Wissenschaftler und Künstler aus Bad
Laer stellt seine teils riesigen Klangskulpturen aus recycelten
Metallen und Elektronik – zum Schauen und Hören – vor.

02.03.2009 – Luigi Russolo
Dr. Jürgen Conrady, Arzt und Kulturexperte aus Bielefeld referiert
über Luigi Russolo, den Erfinder der Geräuschmusik und Pionier
der Konkreten Musik: das Futuristische Manifest von 1916

02.02.2009 – Voodo-Toys
Peter Schwieger (stanpete), Klang- und Objektekünstler aus Halle führt in die fantastische Klangwelt seiner Voodo-Toys ein:
experimentell manipuliertes elektronisches Kinderspielzeug. Incl. Bauanleitung!

12.01.2009 – Die Orgel – Königin der Instrumente?!
Bericht vom Internationalen Festival für zeitgenössische Orgelmusik in Köln
Refernt: Dr. Ulrich Maske

2010

06.12.2010
Renaissance eines Renaissance-Komponisten: Carlo Gesualdo (1566-1613).
Leben, Werk, Wiederaufleben.
Referent: Dr. Ulrich Maske

08.11.2010
Zeitlose Musik: Die Quinte von La Monte Young.
Einführung und Realisation: Prof Gerd Lisken

04.10.2010
Einführung in die 4. DIAGONALE (9.10.)
Referent: Willem Schulz

05.07.2010
Neue spirituelle Lieder in Obertonharmonik –
von und mit Peter Bayreuther

07.06.2010
„Der Zufall in der Maschine“ – im Dialog mit dem Menschen.
Referent und Musiker: Franko Frankenberg, Osnabrück

03.05.2010
Ben Gwilliam: „Those sounds between – looking & listening as an indisciplinary practice“

12.04.2010
„Performances, visuelle Poesie und Lautgedichte“.
Referenten: Carla Bertola und Alberto Vitacchio, Turin

01.02.2010
Komponist und CNM-Mitglied Georg Krieger gibt eine Einführung in seine Mess-Komposition, die am 7.3. in der Neustädter Marienkirche unter Leitung von KMD Ruth Seiler uraufgeführt wird.

11.01.2010
houswife – engineering.
Interaktive Rauminstallationen
Referentin: Angelika Höger

2011

5.12.2011
100 Jahre musikalische Collage von Charles Ives bis Simon Steen-Andersen
Beim nächsten Jour fixe der Cooperativa Neue Musik geht es um die musikalische Collage. Sie wurde vor rund 100 Jahren in den USA von Charles Ives erfunden und ist in vielen seiner Werke in unterschiedlichsten Formen anzutreffen. Etwa zeitgleich ist seit Braque, Picasso, Schwitters, Max Ernst, Rauschenberg, Jasper Johns bis zu Beuys und Polke und vielen anderen die Collage in der Bildenden Kunst nicht mehr wegzudenken.
In der Musik ist sie dagegen vergleichsweise sehr viel seltener. Bis auf den „Vater“ der Collage, Charles Ives, am Beginn des 20. Jahrhunderts, sowie einige dem Dadaismus nahe stehende Komponisten in den 20er Jahren, wie die frühen Hindemith und Schostakowitsch, liegt die „Blütezeit“ der musikalischen Collage in den 60er und 70er Jahren. Dafür stehen Namen wie Bernd-Alois Zimmermann, Johannes Fritsch, Alfred Schnittke, Luciano Berio. Nach fast 30 Jahren Pause machte bei den Donaueschinger Tagen für Neue Musik 2010 der junge dänische Komponist Simon Steen-Anderson erstmals wieder mit seiner ausgewachsenen Orchestercollage „Double up“ Furore.
Anhand vieler Klangbeispiele von musikalischen Collagen werden die unglaubliche Vielfalt an Realisierungen und die dahinter stehenden Musikanschauungen deutlich werden.
Referent: Dr. Ulrich Maske

7.11.2011
„Matthis der Maler“, Symphonie v. Hindemith
Referent: Prof. Gerd Lisken

10.10.2011
Hörabend
Die Cooperativa Neue Musik lädt zu einem Hörabend ein. Jeder kann ein Stück Neuer Musik vorspielen und vorstellen.

05.09.2011
Jeff Cloke: Reson8 – Vortrag und Performance über die Weiterentwicklung von Alvin Luciers‘ „I Am Sitting In A Room“
Mit Annabella Eschengerd

04.07.2011
rohton präsentiert Ü B E R S T I L L E – ankommen im kernschall

06.06.2011
Einführung von Gerd Lisken in das Konzert mit eigenen Werken am 8. Juni, 20.00 Uhr, im Kleinen Saal der Oetkerhalle.

02.05.2011
Gisela Weimann führt in ihre Performancekunst ein und stellt sich den Fragen.

04.04.2011
Alexis Agrafiotis: Der Pianist, Komponist und Solorepetitor am Theater Bielefeld stellt sich vor.

07.03.2011
Hörabend: Mitglieder von Vorstand und Beirat der CNM stellen ihre aktuelle Lieblings-CD vor.

2012

Montag, den 3. Dezember
„John Cage Gerhard Richter, Zufall in Musik und Kunst“
Referenten: Dr. Ulrich Maske / Dr. Jürgen Conrady
Capella hospitalis, 20.00 Uhr

Montag, den 5. November
Der Komponist, Tonmeister und Programmierer Stefan Tietje, der zunächst Physik in Marburg sowie Elektronik und Akustik an der TU Berlin studierte, arbeitet heute als Musical Assistant am Experimentalstudio in Freiburg und am CCMIX in Paris. Seit 1984 schreibt er algorithmische Kompositionen mit selbstentwickelten Computerprogrammen und spielt seit 1986 Konzerte mit computergesteuerter Liveelektronik in Europa, Amerika und Asien in Zusammenarbeit mit Künstlern aller Genres.
Er gewann Preise z.B. den „Silbernen Amadeus“ „Musik Kreativ“ und ist in diesem Jahr Teilnehmer eines Preisträgerprojektes bei Opera 2011.
Im jour fixe der CNM spricht er über das Verhältnis von Improvisation und Komposition und darüber, wie man die Vorteile beider Formen mit Hilfe von Computerprogrammen vereinen sowie deren Nachteile vermeiden kann.
Als musikalische Hörbeispiele stellt er dem Publikum sowohl sein aktuelles Instrument „Les Ondes Memorielles“ als auch seine älteren Ansätze mit algorithmischen Programmen (Polyrik) vor.
Bei Interesse wird er berichten von seiner Arbeit als Musical Assistant in den Experimentalstudios Freiburg und Paris.
Zum tieferen Kennenlernen der Musik von Stefan Tietje können Interessierte einen Tag vor dem jour fixe der CNM in Gütersloh ein Konzert des Komponisten hören.

Montag, 1.10.2012
ausnahmsweise in Detmold
19.30 Uhr
„Von Pierrot zu Marteau“
Arnold Schönberg | Pierrot Lunaire nach Texten von Albert Giraud
und Otto Erich Hartleben (1912)
Pierre Boulez | Le marteau sans maître nach Texten von René Char (1953)
Ensemble Insomnio, Leitung Ulrich Pöhl;
Charlotte Riedijk und Vallerie Guillorit, Gesang
Hangar 21
Charles-Lindbergh-Ring 10

Montag, den 2. Juli, 20.00 Uhr, Capella hospitalis: centrozoon – Boner, Bernhard Wöstheinrich und Tobias Reber stellen das Konzept und die spezielle Aufnahmetechnik des neuen Albums vor.
Bekannt für seine ganz eigene Herangehensweise an das „instant composing“, entwickelt das Trio seinen Ansatz hier um einen Schritt weiter: die ursprünglichen Aufnahmen werden radikal dekonstruiert und nach einem aleatorischen Schlüssel innerhalb vorbestimmter Formstrukturen verteilt. Zusätzliche Overdubs werden mit eingewoben und tragen in jeder musikalischen Hinsicht zu einer weiteren Verdichtung bei. Trotzdem entsteht bei aller Vielschichtigkeit vor den Ohren des Hörers ein erstaunlich transparentes und einladendes Klangbild.

Montag, den 4. Juni, 20 Uhr
Dominik Sustek, Organist an Sankt Peter in Köln, stellt Aufnahmen eigener Kompositionen und Improvisationen an seiner mit Spezialeffekten ausgestatteten Orgel vor. Mit den »Orgel Mixturen« veranstaltet er jährlich im Oktober weltweit das einzige Festival für zeitgenössische Orgelmusik. Dominik Sustek studierte an der Folkwang Hochschule Essen Orgel und Kirchenmusik sowie Komposition bei Nikolaus A. Huber.

Ausnahmsweise am Sonntag, 13. Mai 2012 im Amerikahaus/Stadtbibliothek, 15.30 Uhr
„sound lines“
Klanginstallation/Vortrag
Marcus Beuter
Eine Reise kann immer nur eine Linie sein. sound lines ist eine Klanglinie durch Osteuropa bis in den Kaukasus.
Der Klangkünstler Marcus Beuter, auch Mitlgied der CNM, reiste im Herbst 2011 in sieben Wochen überland nach Armenien. Unterwegs trat er mit experimentellen Musikern der jeweiligen Regionen, die er über Internet recherchiert hatte, in öffentliche Konzert-Dialoge. Anschließend arbeitete er in Eriwan als artist in residence drei Monate an interkulturellen Klangprojekten.
Auf seiner Reise zeichnete er unzählige ortsspezifische Klänge und Geräusche auf. Zudem befragte er unterschiedlichste Menschen nach ihren Träumen, Wünschen und zu dem Thema Grenzen. Die Interviews und Umweltaufnahmen verarbeitete er zu einer zweistündigen 8-Kanal-Klanginstallation, mit der er das Publikum seinerseits auf eine einzigartige Reise einlädt.
15.30 Uhr Zweistündige Hörreise im 8-Kanal-Klangraum
17.30 Uhr Imbiss
18.00 Uhr Vortrag mit Ton-Bild-Projektionen der gesamten Reise

2.4.2012, 20 Uhr, Hörabend mit Neuer Musik im Hause Lisken.

5.3.2012, 20 Uhr
Hörabend Neuer Musik im Hause Conrady, Victor-Gollancz-Str. 4, Bielefeld

6.2.2012, capella hospitalis, 20 Uhr
„Höhlenkunst – Malerei und Akustik im Raum“
Referent: Dr. Jürgen Conrady

2013

02.12.2013
„Die Komponistin Ursula Mamlok – mit 90 Jahren zurück in Berlin“. Eine Hommage
Schon als Kind wollte Ursula Mamlok (geb. 1923 in Berlin) Komponistin werden. Die Familie wanderte 1939 über Ecuador in die USA aus, wo die junge Frau in New York an der MANNES MUSIC SCHOOL (anfangs bei George Szell) ein Stipendium erhielt. Ein langer Weg zum eigenen Stil. Ab den 60.er Jahren treten knappe konzentrierte musikalische Formen mit Transparenz und eigener Farbigkeit hervor, die in der amerikanischen Szene Neuer Musik zunehmende Beachtung fanden. Die bei uns weitgehend ungehörte Komponistin lebt seit 7 Jahren (nach dem Tod ihres Mannes) wieder in Berlin.
Biographie und Hörbeispiele in einem Vortrag von Dr. Jürgen Conradi.
Der im Juni ausgefallene Vortrag wird hier nach geholt.

04.11.2013
Der Bunker Ulmenwall zu Besuch bei der Cooperativa Neue Musik:
Der Bunker Ulmenwall ist seit den 60er Jahren in der regionalen und überregionalen Wahrnehmung ein Ort von Innovation und Austausch im Bereich aktueller musikalischer Strömungen mit dem Schwerpunkt Jazz, Pop- & Jugendkultur und seiner Vermittlung, im Besonderen an junge und jugendliche Musik- und Kulturinteressierte. Neben der Organisation eines breiten Veranstaltungsangebots (Konzerte, Poetry Slams, Lesungen & Vorträge, Musiksessions & Partys) initiiert der Bunker Ulmenwall e.V. musikpädagogische Projekte mit Schulen und Kooperationspartnern aus der Kinder- und Jugendarbeit.
Carsten Nolte und Cayan Cankatli werden die inhaltlichen Entwicklungen der letzten Jahre aufzeigen und wagen einen perspektivischen Blick in die Zukunft – vor dem Hintergrund der beschlossenen Kürzungen von 25.000 € für den Trägerverein zum 1.1.2014.

02.09.2013
Der Jour fixe im September steht ganz im Zeichen der 5. DIAGONALE.
Die einzelnen Beiträge werden ausführlich vorgestellt, das Programm erläutert.

08.07.2013
Vardan Harutyunyan, Komponist aus Armenien
Der Komponist, Interpret und Improvisator Vardan Harutyunyan wird seine elektroakustischen Werke und seine Arbeit in Eriwan vorstellen.

06.05.2013
Pavel Aleshin Re-Drum
Pavel Aleshin aus Orel, Russland arbeitet seit dem Jahr 2002 unter dem Pseudonym Re-Drum.
Re-Drums Musik changiert zwischen Deep Drone, Noise Soundscapes und warmen melodischem Ambient. Pavel Aleshin benutzt field recordings und verschiedene akustische Instrumente um eine spezielle Atmosphäre aufzubauen. Zum Jour fixe wird er neben seinem Laptop Klangschalen, seine Harmonika und Steinen im Gepäck haben.
Er veröffentlichte diverse Alben und trat in ganz Europa auf.

08.04.2013
Bernhard Wöstheinrich
Live-Looping und Stand-Up-Composition
“Im Jour Fixe möchte ich den konzeptionellen Aufbau einer
„Live-Looping-Performance“ vorstellen. Vielschichtige Klangmuster werden aus aus zuvor eingespielten, improvisierten sowie aus generativen Klangfolgen erzeugt.
Aus dem Grundmaterial der eingespielten, kurzen Improvisationsphrasen und den durch das generative System erzeugten Tonfolgen formt sich durch Repetition der Phrasen und Tonfolgen in verschiedenen Längen und
Metriken Laufe der Aufführung ein komplexer Klang-Schwarm.
In der Repetition werden die Elemente sukzessive wieder ausgeblendet; neuere Elemente sind daher eher tonangebend, ältere Elemente treten in den Hintergrund zurück. Dadurch treten die diversen Elemente
unweigerlich in einen Kontext zueinander.”

04.03.2013
Nachruf zum Tod des Komponisten Hans Werner Henze
Referentinnen: Heidemarie Bhatti-Küppers, Edith Murasov
Im Alter von 86 Jahren starb im November 2012 der am 01.07.1926 in Gütersloh geborene Komponist. Bei Henze, der sich als Schüler von Wolfgang Fortner und René Leibowitz mit der zwölftonalen Kompositionstechnik auseinander setzte, steht Atonalität nicht für Ausschluß und Überwindung der Tonalität, viel mehr führt die Spannung zwischen beiden Klangwelten und Kompositionsverfahren Henze zu seinem eigenen Stil einer hochexpressiven Musik.
Henze entzog sich dem Dogma der Darmstädter und Donaueschinger Avantgarde und kehrte 1953 Deutschland den Rücken, um in Italien zu leben. Neben seinem gesellschaftlichen Engagement kennzeichnet die Affinität zur Literatur Henzes Werk. Walt Whitman, Georg Trakel, Johann Wolfgang von Goethe, Franz Kafka, Heinrich von Kleist, Arthur Rimbaud inspirierten Henze zu Kompositionen. Er vertonte Gedichte seiner Seelen verwandten Freundin Ingeborg Bachmann, die zahlreiche Opernlibretti für ihn verfasste.
Anhand von ausgewählten Kompositionen wie „Apollo et Hyacynthus“, Ausschnitte aus dem „Floß der Medusa“ und aus der Oper „Prinz von Homburg“, werden die beiden Referentinnen Heidemarie Bhatti-Küppers und Edith Murasov wichtige Stationen aus Henzes Lebenswerk vorstellen.

04.02.2013
Fluxus-Concert
Anlässlich des Jour Fixe am Montag, den 4.2. erlebt die Capella Hospitalis eine Nuit Enchantée voller Irritainment und Amüsement.
Fluxus-Musik provoziert und erweitert die Experimente der Nachkriegsavantgarde noch einmal um ein Vielfaches. Allerdings mit Humor
und manchmal verliert sie dabei gänzlich ihren Klang. Die Grenzen zu anderen Disziplinen wie Bildender Kunst, Theater, Literatur sind
hinfällig. Werke von George Maciunas, Alison Knowles, George Brecht, La Monte Young und anderen stehen auf dem Programm.
Im Anschluss an das Konzert ist das Publikum ausdrücklich eingeladen, mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen.
Es musiziert die Gruppe “Music from Scratch”, die sich aus Studierenden der Abteilung Kunst und Musik der Universität Bielefeld formierte.

07.01.2013
Hörabend
Mitglieder stellen interessante Musikbeiträge vor

2014

1. Dezember 2014
Denise Ritter
Denise Ritter ist Klangkünstlerin und Komponistin. Sie realisiert mehrkanalige elektroakustische Kompositionen in Klanginstallationen und -skulpturen, die auf Audioaufnahmen realer Klangsituationen basieren. Nach ihrem Abschluss als Diplom-Geographin studierte Denise Ritter von 2003 bis 2007 an der HBKsaar in Saarbrücken Audiovisuelle Kunst und Neue Digitale Medien u.a. bei Christina Kubisch, 2008 als deren Meisterschülerin. Für die Musique Concrète/Industrial-Stücke ihrer CD-Releases aka „Schachtanlage Gegenort“ (seit 1997) macht sie Audioaufnahmen vom Kohlebergbau und der Eisen- und Stahlindustrie in der Region Saar-Lor-Lux. Seit 2010 ist sie Vorstandsmitglied der DEGEM (Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik e.V.). Denise Ritter startete 2013 das weltweite, partizipative Klangkunstprojekt „small world wide“. Ihre Arbeit wurde mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet im Ruhrgebiet.
Weitere Informationen unter: http://www.gegenort.com

3. November 2014
Was kam nach den Vodoo-Toys?
Stan Pete, lässt die letzten 5 Jahre Revue passieren und stellt seine Musikgeräte vor, die er in dieser Zeit gebaut hat. Vorwiegend hat er sich damit beschäftigt, Licht in Töne umzuwandeln. Namen wie Rückkopplungsgenerator, singendes Gras und schreiende Blumen, lassen erahnen, dass es sich hierbei nicht um klassischer Saiten oder Tasteninstrumente handelt. Die Instrumente werden mit Licht, Schatten oder teilweise einem Fernsehbildschirm gespielt. Lumen, ein Videosynthesizer, ist so ein Gerät. Es sieht wie eine Art Stethoskop aus, mit dem man auf einem Fernsehbildschirm ein Video abtasten kann. Die “untersuchten” flackernden, blinkenden Bilder, werden dabei in Töne umgesetzt.
Der Besucher ist zum ausprobieren eingeladen (ANFASSEN IST AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT). Es darf gezupft und die Taschenlampe geschwungen werden. Wer will kann auch eigenen Aufnahmen / Samples erstellen.
Von 18-20 Uhr können Geräte ausprobiert werden.
Ab 20 Uhr beginnt der Jour Fixe mit Stan Pete, kleiner Vortrag über seine Arbeiten und er stellt die Geräte im einzelnen vor.
Vortrag mit Stan Pete.

6. Oktober 2014
Viktor Ullmann (geb. 1.Januar 1898 in Teschen; ermordet am 18. Oktober 1944 in Auschwitz)
“Der Kaiser von Atlantis” (Uraufführung 1975, Amsterdam)
Referenten Jürgen Conrady (zum Text) und Georg Krieger (zur Musik)

8. September 2014
bielefelder SCHWÄRME
Die Cooperativa Neue Musik stellt ihr Großereignis vor, das am Sonntag, den 21.9. von 15 bis 18 Uhr am Obersee stattfindet.
Referenten: Willem Schulz und Marcus Beuter

2. Juni 2014
Simon Stockhausen: Grenzenlos – ein Status Quo der elektronischen Klangerzeugung
Workshop, Vortrag, Improvisationskonzert mit Simon Stockhausen
Noch im analogen Zeitalter geboren, und im Alter von neun Jahren mit seinem ersten Hardware-Synthesizer verheiratet, hat Simon Stockhausen, der jüngste Sohn Karlheinz Stockhausens, die rasante Transformation ins digitale Zeitalter hautnah miterlebt und fühlt sich heute als Komponist und Musikelektroniker mit jeder Innovation im Bereich der Musikelektronik ein Stückchen freier und näher dran, seine klanglichen Fantasien in hörbare Klänge zu verwandeln.
Anhand einiger Live-Improvisationen, bei denen er in Echtzeit akustische Klänge mit den heutigen Möglichkeiten der elektronischen Klangerzeugung- und verfremdung transformiert und anhand der Demonstration vorproduzierter Klänge aus den zahlreichen Klangbibliotheken, die er in den letzten Jahren produziert hat sowie diverser Klangbeispiele aus seinen orchestralen Kompositionen der jüngeren Zeit, wird er dem Publikum vermitteln, warum er die heutigen Möglichkeiten der elektronischen Musik als grenzenlos und ungebrochen faszinierend empfindet. Die Zuhörer werden auch einen kleinen Einblick in verschiedene Syntheseformen bekommen, die ihn zur Zeit besonders interessieren, insbesondere die Granular-Synthese und die spektrale Resynthese.

5. Mai 2014
Cristina Maldonado – Sayat Nova
Cristina Maldonado ist eine mexikanische Choreographin und Videokünstlerin. Im Jour fixe stellt sie ihre aktuelle Zusammenarbeit mit Laureline Koenig und Marcus Beuter sowie weitere Arbeiten von sich vor.
Sayat Nova ist eine Video-Performance, die Sergei Parajanovs Film The Color of Pomegranate neu interpretiert. Live wird der Film durch visuelle Collagen, Stimmimprovisation und Live-Elektronik verfremdet und bearbeitet.
Sayat Nova ist Teil der Reihe WHAT SHE DOES von Maldonado, in der sie Filme recycelt, um visuelle Collagen in Echtzeit zu erstellen.

7. April 2014
AG Klang
Ein postfuturistisches musiktheatrales Chorprojekt über Geräusche, Gemeinschaft und Arbeit von PARADEISER productions (Münster//Hamburg)
Der Komponist, Songwriter, Musiker, Produzent und Teil der Künstlerischen Leitung von PARADEISER productions Kai Niggemann stellt das Projekt “AG Klang” vor:
1914 spielte der Futurist Luigi Russolo sein erstes Konzert mit “Geräuschtönern” (Intonarumori), infernalischen Klangmaschinen, welche die Fabrik- und Maschinengeräusche seiner Zeit in den Bühnenraum holen sollten. 2014, 100 Jahre später hat sich die Sound-Kulisse der Arbeit deutlich verändert. Mit AG Klang wollen wir den akustisch-musikalischen Charakter von Arbeit in einem musiktheatralen Chorprojekt exemplarisch in den Vordergrund stellen.
Individuum und Chor, Menschen und Maschinen, Texte und Geräusche, Beatboxen und Field-Recordings – zwischen diesen Polen entsteht ein Abend, der an unserer Beschäftigung mit der Musik der Futuristen und aktueller Klangkunst anknüpft.
Ein gemischter Chor interpretiert die Geräusche der gegenwärtigen Arbeitswelt, findet eine Umsetzung von Field-Recordings (dokumentarische Soundaufnahmen) verschiedener Arbeitsplätze, die danach fragt, wie Arbeit heute klingt. Im Anschluss an das historische Vorbild der Futuristen durch Russolos Intonarumori, suchen wir im ganz analogen Copy-Paste-Verfahren nach der Klangwelt der heutigen Arbeit und ihrer Reproduzierbarkeit durch menschliche Stimmen.
Neben der klanglichen Dimension vertritt der Chor ein wesentliches Spannungsfeld unserer Zeit: den Spagat zwischen Individuum und Gemeinschaft, dem Einzelnen und seiner Position in der Gesellschaft und der Frage nach einer zeitgenössischen Definition von Arbeit.
Die Möglichkeit, einzelne Stimmen bzw. Geräusche zu isolieren, macht es möglich, auf akustischer Ebene Arbeitsfelder neu zu kombinieren, zu vermischen und so einen neuen Sound von Arbeit herzustellen, der auf zukünftige Definitionen des Arbeitsbegriffes hinweist.
Kai Niggemann zeigt die Entstehung des Stücks, beschreibt die Ideenfindung und die Herangehensweise und den Umgang mit dem Stoff von PARADEISER productions für die kommende Produktion “AG Klang”
Als Komponist, Songwriter, Musiker und Produzent produziert er experimentelle elektronisch-akustische Musik für Projekte und Soundtracks, für Film, Theater und Tanz. Er ist Mitgründer des Theaterproduktionslabels PARADEISER productions sowie des Internet-Computermusik-Ensembles European Bridges Ensemble (EBE). Er spielt regelmäßig Live-Konzerte (solo oder mit verschiedenen Partnern, u.a. auch mit dem Sound-Kollektiv “The Dorf”) und betreibt das Musik-Label WAF80music. Weiterhin produziert er für Kurzfilme Musik und Soundtracks.

3. März 2014
Stationen II
Neue Musik aus NRW
10 – 10 – 10
Zehn MusikerInnen aus zehn Städten Nordrhein-Westfalens geben im März und April 2014 zehn Konzerte.
Eine Einführung in das Programm (bitte beachten Sie hierzu die gesonderte Ankündigung zu den Konzerten).
Referent: Marcus Beuter

3. Februar 2014
Join the dots
Video Art + Music Video
An diesem Abend möchten wir Ihnen verschiedene Arbeiten von drei Künstlern vorstellen, die sich alle mit dem Medium Video beschäftigen. Jan-Oliver Schön hat vor kurzem sein Musikstudium an der Universität Bielefeld abgeschlossen. Das Studium beinhaltete auch künstlerische Anteile. Innerhalb dieser Zeit befasste er sich u.a. mit Musique Concrète. Für seine Videokunst kombiniert er teils stark verfremdete Alltagsgeräusche mit Fotografie bzw. Video. Neben dem Studium spielte er in diversen Bands. Dort lernte er Daniel Powell kennen und startete mit ihm das Projekt ‘Scriddle’. In diesem werden Songtexte mit Hilfe von Wörtern aus Scrabble-Spielen geschrieben und vertont. Daniel Powell, gebürtiger Neuseeländer und Englischlehrer an einem Fremdspracheninstitut, schloss ursprünglich ein Kunststudium an der Elam Art School in Auckland ab. Seit seinem Studium arbeitet er mit Videos und Performances. Außerdem ist er ein Gründungsmitglied der neuseeländischen Lo-Fi Band ‘Wendyhouse’. Im Studium kam er in Kontakt zu Emit Snake-Beings, welcher ihm zu einem langjährigen Freund wurde. Von Zeit zu Zeit arbeiten Powell und Snake-Beings an Gemeinschaftsprojekten. Snake-Beings ist in Auckland vor allem für seine kreativen Kurzfilme bekannt. Jeder dieser Künstler stellt einen Punkt in dieser Jour Fixe dar. Die künstlerische Verbindung eben dieser wird im Verlauf des Abends transparent.

6. Januar 2014
“Scelsi revisited – Improvisation, Komposition, Interpretation”
Der Jour fixe wird mit vielen Musikbeispielen zunächst in einem Schnelldurchgang durch die musikalische Biographie Scelsis in die Entwicklung seiner ganz eigenen, unnachahmlichen Art, „Musik in die Welt zu setzen“, einführen. In einem zweiten Teil geht es dann um den Schaffensprozess bei Scelsi, um nicht den Begriff Komposition, den er seit ca.1950 für sich abgelehnt hat, zu benutzen. Und der letzte Teil wird sich den Aufführungsproblemen seiner Musik widmen.
Referent ist Ulrich Maske.

2015

7. Dezember 2015
Angelika Höger – Erkundungen von Räumen, Tönen und bewegten Dingen
Angelika Höger ist bildende Künstlerin und arbeitet vor allem mit kinetischen Objekten und interaktiven Rauminstallationen.
Im Laufe vieler Jahre hat sie ein umfangreiches Archiv mit Gebrauchsgegenständen verschiedenster Art angelegt, das sie in aufwändigen Prozessen immer wieder neu arrangiert.
Längst ausgediente Plattenspieler, Föhne, Mixer oder Massagegeräte verbinden sich mit neuen Materialien und vorhanden Raumelementen zu temporären Einheiten. In einem Balanceakt zwischen Chaos und Ordnung behält das Experiment stets die Oberhand.
Bewegung, Raum und Klang spielen auch in ihren Performances eine wichtige Rolle. Seit einigen Jahren kollaboriert sie mit anderen Künstlern verschiedener Sparten um gemeinsam mit ihnen Projekte im Dialog zu entwickeln.
Im Rahmen des Jour Fixe gibt sie Einblick in ihre Arbeitsweise und stellt einige Projekte der letzten Jahre vor.
Angelika Höger lebt und arbeitet im Künstlerhaus Artists Unlimited in Bielefeld.

2. November
„Über das allmähliche Verfertigen der Klänge beim Improvisieren“ – das Ensemble Freie Musik
Das Ensemble Freie Musik lädt im Rahmen des jour fixe der Cooperativa Neue Musik Bielefeld zu einem Konzert- und Gesprächsabend unter dem Motto „Über das allmähliche Verfertigen der Klänge beim Improvisieren“ ein.
Das 1999 gegründete Ensemble arbeitet überwiegend nach dem Prinzip des Instant Composing – dem freien Zusammenspiel ohne vorherige Festlegungen und Absprachen.
Einer breiteren Öffentlichkeit ist das EFM durch ortsbezogene Klangaktionen im öffentlichen Raum bekannt, so der Aufführung in den unterirdischen Bielefelder Stadtbahnhaltestellen im Rahmen der BBK-Veranstaltung „Kunstlinie“ oder der Bespielung der Fußgängerzone Treppenstraße bei der 850-Jahr-Feier Brackwedes.
Eng verbunden ist das EFM mit dem wichtigen Ort für experimentelle Kultur und freie Musik in Bielefeld, dem Bunker Ulmenwall, in dessen Räumen es regelmäßig arbeitet und auch die öffentlichen Free ’n’ Impro-Sessions leitet.
Am 2. November wird das Ensemble Freie Musik Beispiele seine eher kammermusikalischen Spielprozesse präsentieren und Gelegenheit zum Gespräch über das Ensemble und das freie Musizieren bieten.
Aktuelle Besetzung:
Werner Schermeier, Piano
Wolfgang Röhrig, Stimme
Peter Schwieger, Electronics
Eric Pfennig, E-Bass
Marcus Beuter, Laptop
Frank Ay, Klarinette u. Saxophone
Hans W. Specht, Tenorsaxophon
Gastsängerin: Eva Maria Boehm – Stimme

5. Oktober 2015
Cooperativa Ensemble – Ins Offene – das neue Ensemble stellt sich vor
10 Aktive der Cooperativa Neue Musik haben im Herbst 2014 beschlossen, das erste Bielefelder Ensemble für Neue Musik zu gründen. Auf dem Hintergrund seines 25-jährigen Engagements für aktuelle Musik mit weit über 100 Konzerten, monatlichen Jour-fixe-Veranstaltungen, spartenübergreifenden Projekten und inzwischen 5 DIAGONALE–Festivals will der Verein sich nun auch mit einem einzigartigen Ensemble in das kulturelle Geschehen einmischen.
10 Künstler mit sehr verschiedenartigen Ansätzen, Musik neu zu suchen, bilden das Ensemble. Freie Improvisation und eigens für das Ensemble entwickelte Konzepte bilden das erste Programm.
Bei der Vorstellung stellt sich das Ensemble vor, zudem gibt es eine Einordnung in die bestehende Ensemblelandschaft mit Kurzreferaten zu anderen aktiven und früheren Ensembles für Neue Musik.
Die Ensemble-Mitglieder:
Edith Murasova – Stimme
Anke Züllich-Lisken – Stimme, Geige
Heidemarie Bhatti-Küppers – Text
Reinhold Westerheide – Gitarre
Stefan Kallmer – Klarinette
Willem Schulz – Cello
Gerd Lisken – Klavier
Angelika Höger – Kinetische Klangkunst
Peter Schwieger – Synthesizer, Electronics, Toys
Marcus Beuter – Laptop, Field Recordings

7. September 2015
Patrick Weh Weiland – Bauchlandschaften – konkrete/audiovisuelle/ Poesie
„Mit dem Verstand lässt sich nicht argumentieren, wohl aber mit dem Unverstand.“
Patrick WEH Weiland gewährt in „Bauchlandschaften“ einen Einblick in sein Werk und seine Arbeitsweise im Bereich der konkreten/audiovisuellen Poesie.
„Jeder Buchstabe ist eine ganze Sinfonie.“
Anhand von Beispielen und kleinen Erklärungen versucht er zu zeigen wie ernst Humor eigentlich ist und warum er das Naive, das Lächerliche als ur-menschlich betrachtet.
„Ein kleines ja und ein großes NEIN haben geheiratet. Es war eine wundervolle Hochzeit. Ich war zu Tränen gerührt. Alle waren Glücklich. Gleichzeitig.“

6. Juli 2015
Einführung zum World Listening Day 2015
Als Einführung zum World Listening Day, der jährlich am 18. Juli stattfindet, beschäftigt sich der Jour fixe der Cooperativa Neue Musik mit den Themen akustische Ökologie, Klanglandschaften und der Wahrnehmung von Umweltgeräuschen. Ein Vortrag mit Workshopanteilen.
Referent: Marcus Beuter

1. Juni 2015
Jho Kaufmann – Das Experiment “Neue Musik” und was ist “neu” daran
Eine persönliche Reflexion und Konferenz von Erlebnissen,
Erkenntnissen und Auswertung von Praxis und Theorie.
Die Suche nach Musik an sich in multikultureller Gesellschaft.
Mein Anfang war der Ton dem das Wort folgte und das auf
was wir zugehen.
Ton und Bild Arbeiten und Unsichtbares.

4. Mai 2015
Neue Vokalmusik im 20. und 21. Jahrhundert
Einspielungen von Ensemble – und Solowerken ausgewählter Komponisten zeigen von der textgetreuern Vertonung, zum experimentellen Ansatz, bis zum hochartifiziellen Drama die Vielschichtigkeit der Vokalmusik unserer Zeit.
Die Referentin Edith Murasova ist seit 2007 Mitglied im Vokalensemble
‘belcanto’ Frankfurt, das sich mit zahlreichen Uraufführungen
und CD-Einspielungen international profiliert hat.

13. April 2015
Marc Behrens
Marc Behrens erzählt von psychomagischen Ritualen in Norddeutschland und
Schlesien, von Schamanen und Steinschlag im entlegenen Westchina, von
Wolken aus der Sprühdose und verbotenen Tonaufnahmen.
Zudem präsentiert er:
MUT ATT NARC IMM
MUT ATT NARC IMM ist das Ergebnis eines siebenjährigen Prozesses
der Live-Performance einer über die Jahre sich langsam wandelnden
Klangfamilie – in extrem variierenden Bedingungen auf vier
Kontinenten, in Konzertsälen, alten Kirchen, neben
Krokodil-bevölkerten Wasserläufen.
Ein immersives elektroakustisches Musikstück, das Energien
zwischen Klangrepertoire, Aufführungsrahmen, anwesendem Publikum,
früheren Inkarnationen seiner Aufführungen und seines Publikums,
dem Performer selbst und dem spezifischen Zeitpunkt am Tag der
Aufführung mobilisiert.

2. März 2015
Iannis Xenakis (1922-2001) Mathematiker, Architekt, vor allem aber: Komponist Ein dunkler Kontinent der Neuen Musik
Im offiziellen Musikleben Bielefelds ist Xenakis bisher nicht erklungen. Immerhin hat die Cooperativa Neue Musik 2002 zwei Werke von ihm zur Aufführung gebracht. Sie hält es jetzt an der Zeit, diesem großen Komponisten den ihm zustehenden Rang einzuräumen. In diesem Sinne wird Dr. Ulrich Maske am 2. März 2015 in der Capella hospitalis im Rahmen der Jours fixes der Cooperativa Neue Musik einen Einführungsabend mit Fotos, Skizzen und Musikbeispielen halten. Ein Porträtkonzert mit Werken ausschließlich von Xenakis ist in Planung.
Der griechische Komponist Iannis Xenakis wurde 1922 geboren, studierte am Polytechnikum in Athen Ingenieurwesen, schloss sich 1941 dem kommunistischen Widerstand an, wurde schwer verwundet, emigrierte 1947 nach Paris, um der Todesstrafe zu entgehen. 1948-60 war er Assistent des damaligen Stararchitekten Le Corbusier. Gleichzeitig Kompositionskurse bei Olivier Messiaen. Ab 1960 frei schaffender Komponist.
In Deutschland wurde er von Konzertveranstaltern und Rundfunkanstalten lange Zeit geradezu geschnitten, und deutsche Komponistenkollegen lehnten ihn ab, weil er mathematische Methoden und Theorien für seine Arbeit mit dem musikalischen Material nutzte. Als erster Komponist überhaupt begann er schon Ende der 50er Jahre, computergestützt zu komponieren. Er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen und wird inzwischen weltweit unter Kennern der modernen Musik als einer der bedeutendsten Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts angesehen.

2. Februar 2015
Szenen und Instrumente für die freie Musik – Korhan Erel
Korhan Erel ist Computermusiker, Improviser und Komponist. Er stammt aus Istanbul und lebt in Berlin. Er ist einer der Väter der freien Improvisationsszene in der Türkei und zudem einer der dortigen Pioniere der improvisierten Computermusik.
In seinem Vortrag beschreibt er seinen Weg vom Personalberater hin zu einem experimentellen Computermusiker und wie er es schaffte auf diesem Weg viele Menschen mitzunehmen.

12. Januar 2015
Hörabend
Einzelne Musikstücke werden vorgestellt und besprochen.

2016

05. Dezember 2016
Andi Otto
Unschärfen des Körpers in elektronischer Musik – Konzert und Diskussion
Mit den komplexen Optionen der Klanggestaltung in elektronischer Musik stellt sich für viele Musiker die Frage, was sie eigentlich auf der Bühne tun sollen, wenn sie für ein Konzert eingeladen werden. Das „Elektro-Instrumentale“ ist ein schillernder Begriff, der für diverse Konzepte zwischen Play-Buttons des DJs und komplexen interaktiven Setups stehen kann. Die Frage ist dabei, wie die Präsenz des musizierenden Körpers mit elektronischen Prozessen zusammengebracht werden kann, über welche Techniken und Metaphern eine Livesituation inszeniert wird, und welche ästhetische Bedeutung diese Entscheidungen haben können. Diese Fragen sollen gemeinsam diskutiert werden mit einem speziellen Blick auf die Rolle des Körpers, der einen Klang zur Aufführung bringt. Wie hören wir zu, wenn wir eine CD abspielen, wie, wenn sich ein Performer dazu bewegt, und wie, wenn der Performer die Klänge tatsächlich erzeugt?
Am Beispiel der Geschichte des STEIM in Amsterdam erläutert Andi Otto verschiedene Ansätze des Elektro-Instrumentalen. STEIM steht für „Studio for Electro-Instrumental Music“ – dort werden seit 1969 Instrumente entwickelt. Diese sind häufig Unikate, Experimente und Basteleien, aber auch aufwändige Projekte wie etwa „The Hands“ in den 1980er Jahren, in denen Hand-Sensoren Daten an Computer sendeten, um aus Gesten Klänge zu formen.
Sein eigenes Instrument „Fello“ hat Andi Otto am STEIM seit 2007 entworfen. Darin hat er den Cellobogen mit Sensoren erweitert, so dass die Gestik des Bogens und der Fingerdruck gemessen werden kann. Der verstärkte Celloklang lässt sich dadurch live modulieren und es entsteht ein komplex bespielbarer, instrumentaler Raum rund um das Cello. Andi Otto wird sein Instrument demonstrieren und Details und seine individuellen Ideen der Interaktion mit elektronischem Klang erläutern.
Andi Otto ist Komponist und Performer elektronischer Musik, er lebt und arbeitet hauptsächlich in Hamburg.
Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht das selbstentwickelte Instrument „Fello“, eine elektronische Erweiterung des Cellobogens mit Bewegungssensoren. Er war Stipendiat an der „Villa Kamogawa“ in Kyoto und tourt international, wobei insbesondere die Musikkulturen Indiens und Japans ihre Spuren in seiner Musik hinterlassen. Er hat eine Doktorarbeit über das STEIM SensorLab verfasst (eine Pionierarbeit für experimentelle Musik-Interfaces aus den 80ern) und unterrichtet Kurse zur Praxis und Theorie elektronischer Musik an der Hochschule der Künste in Bern und der Humboldt Universität Berlin. Andi Otto ist Mitglied des Flinn-Works Theaterkollektivs in Berlin und komponiert für Film-, Theater- und Tanzproduktionen. Er hat seit 2004 vier Alben unter dem Künstlernamen „Springintgut“ veröffentlicht und verwendet seit 2015 seinen bürgerlichen Namen auch als Künstlernamen. Als DJ veranstaltet er regelmäßig Abende im Golden Pudel Club in Hamburg.
http://www.andiotto.com

07. November 2016
Geplante Obsoleszenz
Marcus Beuter, Angelika Höger, Peter Schwieger
Zwischen Performance, Geräuschmusik und öffentlich gemachtem Experiment bewegen sich die Auftritte des Klangkunsttrios Geplante Obsoleszenz.
Gemeinsam gehen sie auf akustische Entdeckungsreise. Sie erkunden Räume, Materialien und Themengebiete. Experimentierfreude und Spontanität stehen dabei im Vordergrund.
Zur Zeit ist das Trio mit der Performance Schwellenbereiche in Ostwestfalen unterwegs. In fünf Kunstvereine werden die Räume selbst zum Klingen gebracht. Eichenbalken, Gaderobenständer, Verteilerkästen, Fußböden. Die Räume, in denen sonst Kunst gezeigt wird, werden selbst zum Kunstobjekt.
Drei der Performances haben schon stattgefunden, im November folgen noch die Bespielungen der Kunstvereine Oerlinghausen und Bielefeld.
Das Trio gibt Einblick in seine Arbeitsweise, zeigt Beispiele der bisherigen Aufführungen und lädt zur Diskussion über diese Form der Raumbespielung ein.
Geplante Obsoleszenz: Das Trio Beuter, Höger und Schwieger arbeitet seit 2009 zusammen und beschäftigt sich mit elektroakustischen Klangprojekten. Alle drei Mitwirkenden haben verschiedene künstlerische Herangehensweisen, die sich in ihrem gemeinsamen Projekt zu einem lebendigen Dialog bündeln. Infos zu aktuellen Projekten unter: http://www.geplante-obsoleszenz.eu

24. Oktober 2016
Livemusik im Film
Das Trio NAMU 3 und seine improvisierte Klangwelt im Film
Seit der Gründung ihres Trios NAMU 3 im Jahr 2012 haben der belgisch-amerikanische Gitarrist Steve Gibbs, der Cellist Willem Schulz und der Perkussionist Joachim Raffel stets hoch spannende musikalische Begegnungen gesucht. So arbeiteten sie im Rahmen von Joachim Raffels Werk „Drone for La Monte Young“ bereits in der Anfangsphase der Band mit mehreren Tänzerinnen und Tänzern zusammen, gaben sogar ein Konzert zusammen mit den 100 Jahre alten industriellen Webstühlen des Tuchmacher Museums Bramsche. Musikerinnen, wie Saxofon-Shooting-Star Anna-Lena Schnabel und wie die Ausnahmevokalistin Guylaine Cosseron zählten schon zu ihren Gästen. Auch für zwei Videokünstler war das Trio mit seiner improvisierten Musik zwischen rauem Noise, Momenten zarter Lyrik und dann wiederum geradezu rituell anmutenden Klängen interessant: Helmuth Kohn (D) und Jérémy Carpenet (FR).
Mehrere Arbeiten widmeten die beiden Filmer NAMU 3. Stilistisch ganz unterschiedlich geartet zwischen Close-Up-Realismus und poetischem Epos zeichnen diese ein sehr eindrucksvolles und facettenreiches Bild der Band. Erstmals werden die Filme nun in einem speziellen Programm kombiniert mit kurzen Live-Sets von NAMU 3 vorgestellt. Die Abende, an denen Helmuth Kohn auch persönlich präsent sein wird, bieten über das visuelle wie musikalische Erlebnis hinaus die ideale Voraussetzung für eine angeregte Reflektion mit dem Publikum über die Umsetzung von Musik im Film.
Die Veranstaltung findet im Filmhaus Bielefeld statt.

12. September 2016
Die Zeitgenössische Musik im Iran, das Iran Festival in Hannover und das Konzert des Ensemble Hannover-Teheran in Bielefeld – Sharokh Khajenouri (Teheran) und Joachim Heintz (Hannover)
In Vorbereitung für das Konzert des Ensemble Hannover-Teheran am 22.9. im Haus Wellensiek wirft die Cooperativa Neue Musik einen Blick auf die zeitgenössische Musik im Iran.
Sharokh Khajenouri aus Teheran referiert über die Geschichte der zeitgenössischen Musik im Iran und deren Pioniere bis hin zu den jetzigen Aktivitäten.
Joachim Heintz von der Hannoverschen Gesellschaft für Neue Musik berichtet über das Festival Dastgah, das im September in Hannover stattfindet.
Im Jour fixe wird es auch eine kleine Einführung in das Konzert des Ensemble Hannover-Teheran geben, bei dem vier neue Stücke zeitgenössischer iranischer Komponisten aufgeführt werden.

04. Juli 2016
Soundwalk
Ein Klangspaziergang mit Angelika Höger und Marcus Beuter
Die Geräuschmusik ist über 100 Jahre alt. Aber selten hören wir die uns umgebenden Geräusche als Musik. Soundwalks – geführte Spaziergänge zum Zuhören öffnen die Ohren für das, was wir im Alltag oft ausblenden.
Wie klingt ein Teil Bielefelds an einem Montagabend? Was hören wir, wenn wir schweigend in einer Gruppe durch die Straßen gehen? Gibt es versteckte Klänge zu entdecken? Gewöhnliche, die neu klingen?
Der Klangspaziergang startet um 20 Uhr an der Capella hospitalis und endet dort gegen 22 Uhr. Bitte erscheinen Sie dem Wetter gemäß gekleidet.

06. Juni 2016
GegenKassettenWart
„Tapes sind generell nichts Besonderes. Tapes sind nie wirklich von der Bildfläche verschwunden, im Kontext von Szenen wie DIY Punk/Drone/Noise/Black Metal/Hip Hop etc. waren sie immer vorhanden bzw. ein grundlegendes Medium. Die Szenen in denen Tapes zirkulieren, sind für uns vielmehr interessant, jede von ihnen ist praktisch ein eigenes Universum für sich, aber gleichzeitig verwoben in ein Netzwerk von anderen Szenen.“ [Gravity’s Rainbow Tapes]
Das eindrucksvollste Mittel der Nachrichtenweitergabe aber sind die auf Kassette gespeicherten Reden Chomeinis. Aus den Minarett-Lautsprechern der rund 80 000 Moscheen ertönt die Stimme des „Zeichens Gottes“ und fordert zum unerbittlichen Kampf gegen den Schah auf. Bei Massenkundgebungen werden Kassettenrecorder an die Mikrophone gehalten, und wieder ist die – Stimme Chomeinis, des neuen Imam, zu hören. [Die Zeit, 5. Februar 1980]
„Tapes waren da das einzige Medium, worüber man an die meisten Veröffentlichungen herankam. Die Ost-Szene im Bereich von Punk, experimenteller und Kunst-Musik funktionierte ausschließlich nur über den Vertrieb und Tausch von Tapes, vorbei an dem damaligen staatlichen System. Die Herstellung von Tapes damals im Untergrund war von Illegalität geprägt und hat vielfach auch Repressionen nach sich gezogen.“ [Gravity’s Rainbow Tapes]

02. Mai 2016
Erhard Hirt – von der Liebe zu den langen Tönen
Erhard Hirt – Gitarrist, Improvisator, Autodidakt und Bluesmusiker gibt
einen Einblick in seinen musikalischen Werdegang, sowie in seine Tätigkeiten
als Kurator und Kulturorganisator in Münster.

04. April 2016
Helmut Lachenmann: musique concrète instrumental – ein ästhetisches Abenteuer
Referentinnen: Heidemarie Bhatti-Küppers und Edith Murasova
Helmut Lachenmann, der am 29.November 2015 seinen 80. Geburtstag feierte, zählt international zu den führenden Komponisten der zeitgenössischen Musik. In den langen Jahren seines Schaffens hat er nach einer neuen musikalischen Ausdrucksform gesucht, die ungewohnte Klänge und Geräusche einbezog. In seiner „Musique concrète instrumentale“ geriet der „normal“ gespielte Ton zur Ausnahme, zu einer akustischen Möglichkeit unter vielen. Der Vorstellung von Klangzauber und Glamour-Sound als den „Insignien tönender Verführung oder ästhetischen Sedativums“ misstraut Lachenmann und setzt ihr den „Klang als Nachricht von seinen Entstehungsbedingungen“ entgegen. Ähnlich wie bei manchen Aufnahmen Glenn Goulds das Anschlagsgeräusch und auch sein Atem mithörbar sind, hat Lachenmann seinerseits den Geräuschanteil der Tonproduktion thematisiert. Die mechanischen Bedingungen bei der Klangerzeugung werden Teil der Komposition. „Das Ganze“, so Lachenmann, „wird zur ästhetischen Provokation: Schönheit als verweigerte Gewohnheit.“
Neben seinem ca. 50 Kompositionen umfassenden Werk hat Lachenmann auch eine Fülle von Texten verfasst, die sehr grundlegend und radikal sind und die nicht nur Reflexionen über das Komponieren enthalten, sondern auch über das Musik-Leben und die Musikrezeption unserer Zeit.
Anhand einiger ausgewählter Musikbeispiele erläutern die beiden Referentinnen Lachenmanns „Poetik des Geräuschs“, die auf neue Horizonte des Hörens abzielt.

07. März 2016
Florian Hartlieb
Der Komponist und Medienkünstler Florian Hartlieb arbeitet im Spannungsfeld von elektroakustischer Komposition, Programmmusik und improvisierter Liveperformance. Dabei erforscht er das Konzept akustischer Gegenständlichkeit durch die Verschmelzung transformierter Fieldrecordings und Geräuschen aller Art, zu dialektischen Pattern und Mehrkanal-Audio.
Im Rahmen des Jour fixe stellt Hartlieb einige seiner Werke vor, die zum Zuhören, Zuschauen und auch zum Mitmachen einladen.
Hartlieb (*1982) studierte elektronische Komposition an der Folkwang Universität der Künste in Essen sowie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seine Arbeiten wurden international ausgezeichnet und auf zahlreichen Festivals und Konferenzen weltweit aufgeführt.
Florian Hartlieb leitet den künstlerischen Masterstudiengang „Professional Media Creation“ am SAE Institute Bochum in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste und lehrt Medienkunst an der TU Dortmund.

01. Februar 2016
Visiting Charles Ives today – Bericht mit Fotos und Musik von einer Reise durch New England und New York
Im Sommer 2015 konnte sich der Referent, Gründungsvorsitzender und Ehrenmitglied der Cooperativa Neue Musik, einen seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts gehegten Wunsch erfüllen und auf den Spuren des großen amerikanischen Komponisten Charles Ives viele Orte seines Lebens und Wirkens sowie der Inspiration zu seinen Werken aufsuchen. Die Reise führte von Boston und Concord (dem „Weimar der USA“) nach New York (dem Sitz der von ihm gegründeten Lebensversicherung und Wohnort während des Winterhalbjahres) und von dort über New Haven mit der Yale-University (Ives‘ Studienort), Danbury (Stadt seiner Geburt, Kindheit und Jugend sowie seiner letzten Ruhestätte) und Redding (Sommersitz seiner letzten 40 Lebensjahre) zurück nach Boston.
Charles Ives (1874-1954) ist neben John Cage und Morton Feldman der im Weltmaßstab bedeutendste Komponist, den die USA im 20. Jahrhundert hervorgebracht haben. In seinen wichtigen Werken, die allesamt in den rund 15 Jahren zwischen 1901 und 1916/17 entstanden sind, hat Ives in allen Parametern des Komponierens vielfältige Entdeckungen gemacht und neuartige Konstruktionen daraus entwickelt. Mit Recht wurde darum gesagt, er habe viele spätere Entwicklungen der Neuen Musik im Ansatz bereits vorweg genommen. Da Ives in seinen Werken im Prinzip jederzeit alle existierenden musikalischen Materialien aus Vergangenheit und (seiner) Gegenwart als – mehr oder weniger deutlich identifizierbare – Zitate verwenden kann, hat man ihn auch als den Erfinder der musikalischen Collage bezeichnet. Diese Fülle unterschiedlichster musikalischer Mittel und Gestalten musste sich den Vorwurf der Stillosigkeit und des Dilettantismus gefallen lassen. Doch liegt solche „Stillosigkeit“ in der Konsequenz von Ives‘ Musikauffassung: Wenn es gilt, Aspekte und Vorgänge des Lebens in adäquate musikalische Formen umzusetzen, dann muss dafür ein Höchstmaß an kompositorischen Möglichkeiten, an überkommenen, gegenwärtigen und neu zu erfindenden, zur Verfügung stehen – in seinen eigenen Worten: „Die Zukunft der Musik wird nicht nur bei der Musik selber liegen, sondern eher in der Art, wie sie die Ziele und Ideale der Menschen ermutigt und erweitert, statt sie zu begrenzen; in der Art, wie sie an den besseren Dingen teilnimmt, welche die Menschheit unternimmt und von denen sie träumt.“
Zu unserer großen Freude wird das neben „The unanswered Question“ wohl bekannteste Werk von Ives, „Three Places in New England“, im 5. Konzert der Bielefelder Philharmoniker, am 12. und 14. Februar, aufgeführt werden, und das gezielt in Verbindung mit der 5. Sinfonie Beethovens, deren Eingangsmotiv im dritten der „Three Places in New England“ eine eminent wichtige Rolle spielt. Im Hinblick darauf ist der Jour fixe der Cooperativa Neue Musik am 1. Februar auch als einführende Vorbereitung auf das Konzert zu sehen.
Referent: Dr. Ulrich Maske

11. Januar 2016
Voice versa – Stimmimprovisationsduo Laureline Koenig und Anna Bella Eschengerd
Zwei weibliche Stimmen tasten den Raum ab und übersetzen schwingende Stimmungen und Erfahrungen in Klänge. Die Künstlerinnen entwickeln in ihrer Performance eine situationsgebundene klangliche Rauminstallation in Resonanz mit der Capella Hospitalis und den Besucherinnen und Besuchern.
Sie setzen ihre Stimmen im vollen Umfang vom Geräusch bis zu harmonischen Tonfolgen ein, verweben Klänge und Textfragmente über Sprachgrenzen hinweg und komponieren so improvisierend ein Klangbild für diesen Abend. Die beiden Künstlerinnen geben dem, was zwischen den Zeilen passiert, zwischen Worten in ihren Grenzen eine Form im Augenblick. Sie machen eine Art haptischen Zuhörens erfahrbar, mit dem sie nach einer inneren Resonanz suchen. Sie nehmen den Nebel eines nichtanalytischen Blicks als Ausgangspunkt für Ihre Improvisationen.
Über Laureline Koenigs und Anna Bella Eschengerds Arbeit:
Laureline Koenig verarbeitet traditionelle Erzählungen, Gesänge und individuelle Lebensgeschichten in ihren Stimmimprovisationen. Sie beforscht Improvisation künstlerisch hinsichtlich Oralität der Sprache, Übertragung und Grenzen.
Anna Bella Eschengerd entwickelt im Augenblick der Aufführung spontane Wort- und Stimmimprovisationen. Sie gestaltet durch Textfragmente, Gedankensprünge und Assoziationen ein Resonanzfeld zwischen sich, dem Publikum und dem Raum. Ihrer Stimme und Sprache gibt sie Gestalt im Dazwischen von Klangkörper und Sinnträger.

2017

04. Dezember
Pauline Oliveros – Der lange Weg des Hörens
Pauline Oliveros (1932 – 2016), Musikerin und Komponistin ist durch mehrere ihrer Lebensstationen bekannt geworden. Sie war eine frühe Protagonistin der improvisierten Musik, experimentierte mit elektronischer Musik, arbeitete am richtungsweisenden San Francisco Tape Music Center und war schließlich Mitbegründerin des Deep Listening Institutes, dem sie bis zu ihrem Tod aktiv verbunden war.
Pauline Oliveros lebte ihr Leben lang für das Hören und Zuhören.
Ein Jour fixe zu ihrem Leben mit Musikbeispielen und einer Einführung in das Deep Listening.
Gestaltet von Marcus Beuter.

06. November
Donaueschinger Musiktage 2017
Ein Bericht mit Musikbeispielen
Referent: Ulrich Maske
Die Cooperativa Neue Musik lädt herzlich zum nächsten Jour fixe am Montag, 6. November, um 20 Uhr, in die Capella hospitalis. Dort wird als Referent Dr. Ulrich Maske mit vielen Musikbeispielen von den Donaueschinger Musiktagen 2017 berichten. Das 1921 gegründete Festival für aktuelle Musik bietet an einem Wochenende in 6 Konzerten rund 20 Uraufführungen neuester Musik. Natürlich ist das eine geistige wie körperliche Herausforderung. Aber auch eine große Chance, in kompakter Form die frisch komponierten Werke von Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt hören und sich dabei ein Bild machen zu können von den Tendenzen in der gegenwärtigen Musik. Die uraufgeführten Werke waren in diesem Jahr (für den Referenten) teilweise recht enttäuschend: Wir erleben anscheinend wieder einmal eine „Postmoderne“ – die wievielte eigentlich, seit Richard Strauss nach der „Elektra“ (1909) den „Rosenkavalier“ (1911) etc. komponierte? Manche der Stücke könnten in Bad Salzuflen mit Erfolg im Kurkonzert erklingen oder als Eintrittskarte für die Filmmusikindustrie Hollywoods gelten. Aber es gab auch einige moderne, neuartige Kompositionen zu erleben, die eher den Idealen der Avantgarde in den Gründerjahren Donaueschingens (Hindemith, Bartòk, Schönberg, Berg, Webern) entsprachen

02. Oktober
Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv
Die Cooperativa Neue Musik lädt ein zu einem Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv. Einzelne Musikstücke werden vorgestellt und besprochen.

06. September
Zwischen Funktion und Freiheit: Überlegungen zur (zeitgenössischen) Kirchenmusik
Kantor Christof Pülsch referiert unter der Überschrift „Zwischen Funktion und Freiheit: Überlegungen zur (zeitgenössischen) Kirchenmusik“.
Christof Pülsch studierte ev. Kirchenmusik und Orgel in Detmold und Piteå (Schweden) und ist seit 2006 Kirchenmusiker der Zionsgemeinde Bethel. Er leitet mehrere Chöre und verantwortet an der Zionskirche neben der liturgischen Musik eine umfangreiche Konzertreihe, in deren Rahmen er auch regelmäßig als Organist konzertiert. Dabei spielt die zeitgenössische Musik eine wichtige Rolle. Im Januar 2017 veranstaltete er erstmalig das Neue-Musik-Festival FRAKZIONEN.

03. Juli
subversiv
Jour fixe zu den Klanginstallationen im öffentlichen Raum
Das Cooperativa Ensemble realisiert in 2017 an 3 Orten der OWL-Region Klanginstallationen im öffentlichen Raum. Deutlich unterschiedliche Orte werden über mehrere Wochen klanglich subtil verändert, um Passanten zu neuen Erfahrungen auf ihren alltäglichen Wegen zu inspirieren.
Klanginstallationen bieten die Möglichkeit über einen längeren Zeitraum Orte zu verändern, so dass diese von den Menschen neu wahrgenommen werden können.
Sie haben künstlerisch besondere Qualitäten: Kunst wird öffentlich gemacht und ist jedermann zugänglich. Die Klang-Intervention wird in einem sich ändernden akustischen Umfeld immer wieder anders erlebt: mal regnet es, mal gibt es heftigen Verkehrslärm, mal ist es still.
Die Mitglieder des Cooperativa Ensembles haben nach einer Konzeption von Willem Schulz Materialien für die Installationen eingespielt. Die Komposition für 6 Lautsprecher erstellt Marcus Beuter.
Das Konzept basiert auf unterschiedlichen Assoziationen: Düfte, Schwärme, Regen, aber auch Chaos oder Punkte und Linien sind Themen.
Das Ensemble verfügt über ein breites musikalisches Spektrum: diverse Instrumente, Gesang, Text und Elektronik bringen Klänge verschiedenster Art ein.
Die Besetzung im Einzelnen:
Edith Murasova – Stimme
Anke Züllich-Lisken – Stimme, Geige
Heidemarie Bhatti-Küppers – Text
Reinhold Westerheide – Gitarre
Stefan Kallmer – Klarinette
Willem Schulz – Cello
Gerd Lisken – Klavier
Angelika Höger – Kinetische Klangkunst
Peter Schwieger – Synthesizer, Electronics, Toys
Marcus Beuter – Laptop, Field Recordings
Im Jour fixe werden Klanginstallationen im Allgemeinen, das hier entwickelte Konzept sowie die geplanten Orte vorgestellt.
Referent: Marcus Beuter

12. Juni
„Kinder! Macht Neues!“ – Wagner, der Fortschrittliche.
Ein Erfahrungsbericht von Dr. Ulrich Maske
Das Bekenntnis zur Neuen Musik und zu Wagner ruft gegenwärtig eher Stirnrunzeln, wenn nicht Kopfschütteln hervor. Das ist durchaus verständlich.
Aber bei diesem Jour fixe soll es ausschließlich um Wagner den fortschrittlichen Komponisten von Zukunftsmusik, nicht nur für seine Zeitgenossen sondern auch für das 20. Und 21. Jahrhundert, gehen. Wagner wurde zu seiner Zeit als „Zukunftsmusiker“ abqualifiziert und in Karikaturen verspottet, so dass er 1861 in seiner Schrift „Zukunftsmusik“ diesen kritisch gegen ihn gebrauchten Begriff positiv aufgriff und seine Vorstellungen davon erläuterte.
Kaum zu überschätzen ist die Bedeutung der späten Werke Beethovens für Wagners Konzeption: „Beethovens 9. Symphonie ist das menschliche Evangelium der Kunst der Zukunft, zu der er uns den künstlerischen Schlüssel geschmiedet hat“, lautet seine Lobeshymne in seinem Essay „Kunstwerk der Zukunft“ (1851).
„Tristan und Isolde“, komponiert 1856-59, wird heute übereinstimmend als Beginn der modernen Musik angesehen, besonders eklatant durch die darin „ohrenfällig“ gewordene Emanzipation der Dissonanz sowie die extreme Ausweitung der Chromatik. Seine Vorgehensweise bei der Umwälzung der musikalischen Werte lässt sich auf die Formel bringen: Freiheit von und Rücksichtslosigkeit gegenüber tradierten Theorien und Praktiken, inklusive Überschreiten selbst der eigenen Systemgrenzen. Und das nicht in wohl dosierten Tabubrüchen, sondern, wie er in „Zukunftsmusik“ sagt: „…für die entscheidende Wahl seiner Ausdrucksmittel wird den Künstler nicht eigentlich die Reflexion, sondern immer mehr ein instinktiver Trieb bestimmen“.
Der Jour fixe am 12. 6. 2017 wird eine Auswahl von Fundstücken in Wagners Werken präsentieren, die exemplarisch die bleibende Originalität seiner Idee von Zukunftsmusik bestätigen, und das kombiniert mit Beispielen von Werken des 20./21. Jahrhunderts, die direkt oder indirekt Wagners Impuls zur permanenten Revolutionierung der Musik fortsetzen.

03. April
1. Conradiesische Abend
Ein Hörabend mit Gerd Lisken und Edith Murasova
Dr. Jürgen Conrady, der zu seinen Lebzeiten als Mitglied der Cooperativa in ungemein lebendiger und inspirierender Weise Zusammenhänge zwischen den Künsten wie auch zwischen der Natur und den kulturellen Schöpfungen der Menschheit aufzuzeigen vermochte, hat uns eine Botschaft hinterlassen:
Hört, schaut, fühlt genau hin.
Das Entdecken der Wunder dieses Lebens erzeugt den Sinn unseres Hierseins.
Ich gehe nun weiter.
Seine reichhaltige Sammlung an CDs neuer Musik und Kunstbüchern wurde der Cooperativa von der Familie Conrady großzügig überlassen. Hierfür sind wir überaus dankbar! Edith Murasova hat in ihrem Hause in der Bielefelder Rohrteichstraße einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem mit diesem Material ein Archiv aufgebaut wird, das allen Interessierten zugänglich sein soll. Dr. Ulrich Maske und weitere Experten arbeiten zurzeit daran, die Schätze zu ordnen und digital zu registrieren. Perspektivisch können auch zukünftige Schenkungen das Archiv erweitern. Wir sind gespannt, was sich da entwickeln wird.
Jürgen Conrady erfand für die Vorbereitung seiner Vorträge eine liebenswerte Form: in hellen Stoffbeuteln sammelte er zu dem jeweiligen Thema diverse Materialien – Bücher, CDs, Zeitungsausschnitte und seine eigenen handgeschriebenen Gedanken, Verweise und Zeichnungen – und reihte sie hängend in seinem Keller auf. Diese Beutel haben wir samt Inhalt so belassen. Sie dokumentieren den ganz besonderen, forschenden Ansatz und die vertiefenden Ergebnisse seiner oft nächtlichen Arbeit.
Die Cooperativa beginnt nun die Verwirklichung der Idee, in unregelmäßigen Abständen sog. „Conradiesische Abende“ zu veranstalten, an denen ein oder mehrere Beutel neu gesichtet oder auch weitere Themen mit spartenübergreifendem Interesse von den jeweiligen Referenten aufgegriffen werden. Ganz im Sinne von Jürgen Conrady.

06. März
Elektroakustische Szenen
Arsalan Abedian – ein iranischer Komponist
In den Elektroakustischen Szenen gibt es 7 verschiedene akustische Szenarien, die sich nacheinander entfalten. Die Szenen wurden von den Tagebüchern zweier Personen – möglicherweise Komponisten – inspiriert.
Sie stellen in abstrakter Weise Situationen dar, die diesen zwei Persönlichkeiten in ihrem täglichen Leben in verschiedenen Ländern widerfahren. Ihre Leben sind geprägt von Nachrichten, persönlichen und globalen, die ihren Einfluss ausüben.
Das Stück ist in Csound geschrieben und befindet sich an der Grenze zwischen musique concrète und Hörspiel.
Arsalan Abedian wurde 1984 in Teheran geboren. Im Jahr 2007 absolvierte er an der Azad Universität einen Bachelor-Abschluss in Komposition und 2011 einen Master-Abschluss an der Kunst Universität Teheran. Im Jahr 2014 schloss er einen Master-Studiengang Komposition mit dem Schwerpunkt Elektronische Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover ab und 2016 ebendort ein Konzertexamen in Komposition.
Abedian studierte u.a. bei Joachim Heintz, Oliver Schneller, Gordon Williamson und Ming Tsao.
Seine Werke sind geprägt von Zahlen und elektronischen Mitteln. Sie werden verstärkt durch sichtbare Aspekte mit einem Geschmack der Absurdität.

06. Februar
Mein 20. Jahrhundert – was (mir) von der modernen Musik bleibt.
Referent: Dr. Ulrich Maske
Der Mitbegründer der Cooperativa Neue Musik, Ulrich Maske, wird in sehr persönlicher Weise über 70 Jahre Leben mit einem Jahrhundert neuer Musik berichten: Wie er zu ihr fand; wie sich allmählich heraus kristallisierte, was (nicht nur für ihn?) bleibende Bedeutung behalten wird; was ihn mit diesen Komponisten verbindet; und alles natürlich mit wunderbaren Musikbeispielen. Insgesamt also eine Art Führung durch sein imaginäres Museum der Musik seit dem Jahr 1900 oder auch: eine kleine Geschichte der modernen Musik.

09. Januar
CON-FUSION
Stationen III – Neue Musik aus NRW
Stationen ist eine Zusammenarbeit von 9 Gesellschaften für Neue Musik in NRW und dem Landesmusikrat. Bei der 3. Ausgabe bilden Mitglieder des Neue Musik Ensemble Aachen, der Sinfonia Dortmund und von Ensemble Horizonte aus Detmold ein vielseitiges Projektensemble aus 20 Musikern, das neben Stücken von Iannis Xenakis und Manfred Niehaus Uraufführungen von Ulrich Schultheiß, Mijin Oh und Emanuel Wittersheim im Gepäck hat.
Das Konzert findet am Samstag, den 21.01. um 20 Uhr in der Zionskirche statt.
Der Leiter des Ensemble Horizonte, Jörg-Peter Mittmann, führt in das Konzert ein.

2018

Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv
Die Cooperativa Neue Musik lädt ein zu einem Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv. Einzelne Musikstücke werden vorgestellt und besprochen.
Montag, 8.1., 20 Uhr, Jürgen-Conrady-Archiv, Rohrteichstr. 66a, 33602 Bielefeld

„Sechs Verbeugungen“
so heißt das diesjährige Programm von Heisenberg-Quartett Bernsteins Zimmer
Kraakdoos, klingende Kakteen, eine Feuerorgel das legendäre Daxophon, Mutters bestes Porzellan und historische Elektronik bilden das Instrumentarium mit dem die Gruppe Bielefelder Studenten zu Werke geht. Die Kompositionen des Abends enthalten neben den genuin musikalischen auch Elemente aus Perfomance, Fluxus, Kybernetik, Aleatorik uvm. Im Anschluss hoffen die Ausführenden auf eine rege Diskussion mit den Zuhörern.
Montag, 5.2., 20 Uhr, Capella hospitalis

Einführung zu Eine Lange Nacht Musik
Am Montag, dem 05.03.2018 findet um 20 Uhr im Rahmen des Jour fixe der Cooperativa Neue Musik eine Einführung in die große Bielefelder Konzertnacht unter dem Titel „Eine Lange Nacht Musik“ statt. Ort der Einführung ist die Capella hospitalis.
In dem Jour fixe stellen Willem Schulz und Marcus Beuter ausführlich die Künstlerinnen und Künstler sowie deren einzelne Programme vor.
„Eine Lange Nacht Musik“ präsentiert am Samstag, dem 7. April von 16 – 24 Uhr in der Rudolf-Oetker-Halle 7 sehr unterschiedliche Konzerte im Spektrum der aktuellen Musik. 8 Stunden lang spielen Expertinnen und Experten der Neuen Musik in Solo-, Duo- und Ensemble-Formationen Programme von 30-40 Minuten Länge. Jeweils anschließend wird ein Publikumsgespräch angeboten, moderiert von der Textkünstlerin Anna Bella Eschengerd. Pausen zwischen den Konzerten laden ein zu Kommunikation, Entspannung, Essen und Trinken.
Zu Beginn spielt die Akkordeonistin Mirjana Petercol aus Wiesbaden die 12 Tierkreiszeichen von Karlheinz Stockhausen (1928 – 2007) im Wechsel mit 12 Sternbildern des Barockkomponisten Johann Abraham Schmierer (1661-1719).
Der bekannte Bielefelder Gitarrist und Schlagzeuger Reinhold Westerheide schließt an mit Werken für Gitarre und Zuspielbändern von Steve Reich, Mike Starobin sowie einem eigenen Werk.
Die junge Kölner Saxofonistin Fanja Raum inszeniert den Raum mit neuen Stücken für Sopran- und Altsaxofon solo diverser zeitgenössischer Komponisten wie auch mit freien Improvisationen.
Carsten Schneider aus Berlin ist Klang-Minimalist: er dekonstruiert den Deutschlandfunk und setzt ihn nach künstlerischen Gesichtspunkten penibel neu zusammen. Aus dem Atem der Sprecher eines Tages oder aus Gefahrenmeldungen eines ganzen Jahres entstehen neue Hörstücke und Klanggedichte.
„5 Seen“ für Guzheng, Sanxian, chinesischen Gesang und ein Neue-Musik-Ensemble ist eine inszenierte Raum-Komposition von Xu Fengxia und Willem Schulz, ein Auftragswerk des Landesmusikrates NRW. Die Uraufführung dieser Co-Komposition realisieren die Komponisten zusammen mit dem Cooperativa Ensemble aus Bielefeld.
Angelika Sheridan und Frank Niehusmann bilden das Kölner Projekt STROM. Mit diversen Querflöten und Live-Elektronik kreieren sie ungemein rhythmische und spektrale Klanggebilde.
Den Abschluss bildet der Berliner Pianist Jan Gerdes. Sein Thema sind „Nachtstücke“ – ein Programm mit Klaviermusik von George Crumb, Salvatore Sciarrino und Robert Schumann.
Die Lange Nacht Musik wird durch die Hanns-Bisegger-Stiftung und das Kulturamt Bielefeld gefördert.

Margarete Huber, Komponistin und Sängerin aus Berlin, stellt aktuelle Kompositionen vor.
Im Zentrum steht ihre Kammeroper „Schattenlos“, die sie 2017 im Auftrag des Berliner Schloßplatztheaters komponierte.
Margarete Huber studierte an der Universität der Künste Berlin, und erhielt bereits mehrfach internationale Preise und Stipendien.
Sie komponiert Werke für Konzert, Oper und Musiktheater und nutzt dabei gleichermaßen historische und experimentelle Spieltechniken, Elektronik, Natur- und Alltagsgeräusche.
Ihre Werke wurden bereits in verschiedenen Ländern aufgeführt und erhielten begeisterte Kritiken wie „virtuos“, „klangliches Feuerwerk“, „verblüffend radikal“, „sinnlich“.
Über ihre Kammeroper wurde geschrieben: „Man staunt, was man alles so mit menschlichen Stimmen machen kann.“
Montag, den 9.4., 20 Uhr, Capella hospitalis.

Modulare Synthesizer – von den Anfängen bis Heute
Peter Schwieger, selbst seit 1996 mit dem modularen Virus infiziert, wird über die Entstehung und Entwicklung von Modularen Synthesizern berichten. Das sind grob erklärt Klang erzeugende und Klang verarbeitende Module, die man frei miteinander verbinden kann. Die Möglichkeiten der Klanggestaltung und Verarbeitung sind dadurch unbegrenzt. Verschiedene Synthesearten wie auch der East / Westcoastkonflikt werden zur Sprache kommen. Die Reise geht von den analogen Anfängen bis zur digitalen Variante und deren Zwischenschritten. Vertreter einiger Gattungen werden vor Ort zum Ausprobieren bereitstehen. Da der Vortrag unmittelbar nach der Superbooth (Messe für Modulare Synthesizer in Berlin) stattfindet, wird er auch von den Neuerscheinungen berichten.
Geräte ausprobieren 18:00 – 20:00 Uhr
Vortrag mit Klangbeispielen 20:00 – 22:00 Uhr

Montag, 7.5., Capella hospitalis, Teutoburger Str. 50, 33604 Bielefeld
Vivan Bhatti -Musikalische Grenzgänge – Zwischen Subkultur und Hochkultur
Vivan Bhatti, geboren 1975 in Bielefeld, studierte Musik an der Hochschule für Musik in München und der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Er ist als freischaffender Komponist, Gitarrist und Theatermusiker tätig. Mit seinem Bruder Ketan Bhatti bildet er ein Kompositions – und Produktionsteam im Grenzbereich zwischen Neuer -, Elektronischer – und Populärer Musik.
Zusammen vertonten sie die jüngsten Verfilmungen von Wedekinds „FrühlingsErwachen“ und Büchners „Woyzeck“ (Zdf/ Arte/ 3Sat). Ihre erste Oper „Discount Diaspora“ mit einem Libretto von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel wurde 2011 an der Neuköllner Oper (Berlin)uraufgeführt. Das Projekt „Red Bull Flying Bach“, für dass sie die Musik beisteuerten, erhielt 2010 den Echo Klassik Sonderpreis.
Vivan Bhattis Musik ist u.a. fester Bestandteil der Inszenierungen von Nuran David Calis an vielen größeren deutschsprachigen Theaterhäusern (u.a. Deutsches Theater Berlin, Schauspiel Köln, Staatstheater Dresden).
Zuletzt schrieb er zusammen mit Ketan Bhatti die Musik zu Nuran Calis Inszenierung von „Glut – Siegfried von Arabien“ von Albert Ostermeier bei den Nibelungenfestspielen 2017 in Worms. Ihre Oper „Das schwarze Wasser“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Roland Schimmelpfennig wurde 2016 an der Neuköllner Oper Uraufgeführt.

Montag, 02.07., 20 Uhr, Capella hospitalis
Khadija Zeynalova – Komponistin
Khadija Zeynalova wurde in Aserbaidschan geboren. Seit früher Kindheit beschäftigte sie sich mit Musik und unternahm mit 11 Jahren ihre ersten Kompositionsversuche. 1994 erhielt sie am Sumgayiter Musikkolleg (Aserbaidschan) das Diplom in Musikwissenschaften. Danach studierte sie Komposition und Musikwissenschaft an der Musikakademie in Baku bei Prof. Khayyam Mirzezadeh (Bachelor: 1998, Master: 2000). Dem folgte ein Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik in Detmold bei Prof. Martin Christoph Redel (2005-2006). Daran schloss sich von 2006 bis 2012 ihr Promotionsstudium im Fach Musikwissenschaft an der Universität Paderborn bei Prof. Dr. Werner Keil an. Das Thema ihrer Doktorarbeit lautete: „Die aserbaidschanische Musikkultur im 20. Jahrhundert und ihre Rezeption der westlichen Musik“. 1999 wurde sie Mitglied des Aserbaidschanischen Komponistenverbandes. Zwischen 1995 und 2005 unterrichtete sie am Sumgayiter Musikkolleg in Aserbaidschan Harmonielehre, Musiktheorie, Tonsatz, Gehörbildung und Kontrapunkt. In der Zeit von 2000 bis 2005 lehrte sie in Baku (Aserbaidschan) an der Staatlichen Universität für Kunst und Kultur Musikgeschichte, Harmonielehre, Gehörbildung.
Seit 2013 bis 2017 hatte sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Detmold im Fach Musikalischer Tonsatz. Zurzeit unterrichtet sie an der Musik- und Kunstschule Bielefeld Klavier. Khadija Zeynalova ist die Künstlerische Leiterin des Detmolder Ensembles „Bridge of Sound“ und sie ist die Vorsitzende des Vereins „Bridge of Sound“ e.V. in Detmold.
Khadija Zeynalova stellt ihren Kompositionsansatz beim Jour fixe vor.
Capella hospitalis, Teutoburger Str. 50, Bielefeld
Montag, 03.09., 20 Uhr

Die Cooperativa Neue Musik lädt ein zu einem Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv. Einzelne Musikstücke werden vorgestellt und besprochen. Montag, 1.10., 20 Uhr, Jürgen-Conrady-Archiv

In memoriam Jürgen Conrady
(Keine) Kunst nach Auschwitz!?
Kunst nach und über Auschwitz von
Paul Celan, Arnold Schönberg und Gerhard Richter
Referent: Ulrich Maske
„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“- dieser Satz Theodor W. Adornos (aus dem Essay „Kulturkritik und Gesellschaft“ von 1951) erschütterte in den 1950er und 60er Jahren die ‚liberal-fortschrittliche‘ Kultur- und Künstlerszene in der BRD: Besonders Dichter und Schriftsteller reagierten heftig, wie etwa Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Robert Gernhardt, Peter Härtling, Hans Werner Richter, Wolfdietrich Schnurre u.a. Bei allem berechtigten Streit um den Satz Adornos sind rückblickend doch – wie zu allen Zeiten – in sämtlichen Kunstgattungen bedeutende Werke geschaffen worden, sogar zum Thema Auschwitz selbst. Die wichtigsten sind: „Todesfuge“ (1944/47) von dem Dichter Paul Celan, „Ein Überlebender aus Warschau“ (1947) von dem Komponisten Arnold Schönberg und der vierteilige Bilderzyklus „Birkenau“ (2014) von dem Maler Gerhard Richter. Auch die Filme „Nacht und Nebel“ (1955) von Alain Resnais und Claude Lanzmanns über neunstündiger Film „Shoah“ (1985) sind hier zu nennen, wenn sie auch wegen ihrer Länge nur ausschnittweise herangezogen werden können bei diesem Jour fixe, – wenn überhaupt. Über die von Adorno augelöste Kontroverse soll berichtet, die genannten Kunstwerke verbal, akustisch und visuell vorgestellt werden. Der Abend ist dem Andenken Jürgen Conradys gewidmet, dem höchst kreativen Wanderer zwischen so vielen Welten!
5.November 2018, 20 Uhr in der Capella hospitalis

2019

Crossover zwischen alter und neuer Musik
Mirjana Petercol
Hildegard von Bingen, eine unvergängliche Inspirationsquelle…
Mirjana Petercol, examinierte Akkordeon Konzertsolistin, Kirchenmusikerin und diplomierte Musikpädagogin, widmet sich seit Ihrem Studium des Mittelalters, intensiv dem Schaffenswerk Hildegards von Bingen.
So hat Sie Hildegards Singspiel „Ordo Virtutum“ analysiert und teilweise für das Portativ transkribiert. Gleichzeitig schuf Mirjana Petercol – die seit 2017 von Prof. Claus Kuhnel ( MUHO & Konservatorium Frankfurt) in Komposition unterrichtet wird, weitere Klaviersolostücke sowohl als Ergänzung wie auch als Kontrast zum Werk Hildegards.
Montag, 14.1.19, 20 Uhr, Capella hospitalis

Als Nachklang zu der Veranstaltung 7 Stunden KLANG findet am Montag, dem 4.2. um 20 Uhr ein Jour Fixe in der Capella hospitalis in Bielefeld statt.
Sie sind eingeladen den Tag im Marta mit uns zu reflektieren.
Moderation: Angelika Höger

Montag, 4.3., 20 Uhr, Capella hospitalis
Einführung in das Konzert Stationen IV STIMMEN AUS NRW
Beatboxing-Workshop und Konzerteinführung
Der Abend beginnt mit einem Workshop des Beatboxers Stefan Gwiasda. Wie kann ausschließlich mit den Möglichkeiten der Stimme ein Schlagzeug mit seinen diversen Facetten realisiert werden? Gwiasda ist Experte und vermittelt den Besuchern erste praktische Versuche dazu. Mit Spaß und Freude. Stefan Gwiasda ist auch einer der 8 Künstler des acht-köpfigen Vokal-Ensembles, das die Cooperativa Neue Musik Bielefeld mit sieben anderen Gesellschaften für Neue Musik aus NRW in ihrer vierten Ausgabe der Konzertreihe STATIONEN zusammengestellt haben.
Neben dem Workshop gibt es eine Einführung durch Willem Schulz in das Konzertprogramm, das am 29.3. um 20 Uhr in der Rudolf-Oetker-Halle und danach in 6 weiterren Städten aufgeführt wird.
Dabei treten die unterschiedlichsten Gesangsstile in Beziehung: vom Beatboxing bis zum Operngesang über neue Musik, Performance, Jazzgesang und Improvisation. Unter der künstlerischen Leitung von Julia Mihály stehen komponierte Werke, Konzepte und Improvisationen auf dem Programm, darunter Neuschöpfungen aus dem Ensemble und von befreundeten Komponisten. Außerdem kommt ein Auftragswerk von Elnaz Seyedi zur Uraufführung, das den Mitwirkenden wie auf den Leib geschrieben wurde und damit die eigentümlichen Qualitäten der verschiedenen Stimmfächer auslotet und in Szene setzt.

Komponistinnen der Gegenwart I – Isabel Mundry
Im Rahmen der Jours fixes beginnen wir eine spezielle Reihe:
Komponistinnen der Gegenwart – Leben und Werk. Unten sind die beiden ersten Termine angezeigt. Weitere sind geplant. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20 Uhr in der Capella hospitalis, Teutoburger Str. 50. Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.
I. Isabel Mundry (*1963). Referat: Edith Murasova
Isabel Mundry (*1963) ist eine der interessantesten Komponistinnen der Gegenwart. Sie studierte Komposition bei Frank Michael Beyer und Gösta Neuwirth an der Hochschule der Künste Berlin und bei Hans Zender an der Hochschule für Musik Frankfurt am Main. 1994 belegte sie einen Kurs für Musikinformatik am IRCAM in Paris.
Von 1986 bis 1993 unterrichtete Mundry Musiktheorie und Analyse an der Berliner Kirchenmusikschule und an der Hochschule der Künste Berlin. 1996 übernahm sie eine Professur für Komposition und Musiktheorie an der Musikhochschule Frankfurt. Seit 2004 ist sie Professorin für Komposition an der Zürcher Hochschule der Künste. Zusätzlich übernahm sie zum Studienjahr 2011/12 eine halbe Kompositionsprofessur an der Hochschule für Musik und Theater München. Mundrys Werke zeichnen sich durch eine individualisierte und differenzierte, in sich variantenreiche und nuancierte Musiksprache aus: „Wiederholt wird in Mundrys Kompositionen so gut wie nichts; dasselbe gerät immer anders.“ International bedeutende Orchester und Ensembles haben Mundrys Werke aufgeführt. Ihr Musiktheater Ein Atemzug – Odyssee wurde an der Deutschen Oper Berlin im September 2005 uraufgeführt. Diese Produktion wählte die Kritikerjury der Fachzeitschrift Opernwelt zur „Uraufführung des Jahres 2006“. (Wikipedia)
Mundry komponiert unter anderem unter dem Eindruck der Prozesszeit Debussys, der Polyphonie Dufays und dem offenen Zeitbegriff Cages. In ihren Arbeiten verbinden sich komplexe Polyphonie, asynchrone Zeitverläufe und computergestützte Progressionsreihen zu einem poetischen Leuchten musikalischer Verläufe. Bestandteil des Vortrags sind u. a. Ausschnitte aus der CD „Isabel Mundry -Le Silence-Tystnaden“, eingespielt vom Klangforum Wien, sowie Teile aus der Auftragskomposition „Endless sediments “ (Uraufführung 2018, WDR Sinfonieorchester Köln).
1. April, Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 50 um 20.00 h

Komponistinnen der Gegenwart II – Rebecca Saunders
II. Rebecca Saunders (*1967). Referat: Ulrich Maske
Die aus London stammende Rebecca Saunders (*1967) lebt seit 25 Jahren in Berlin. Nach dem Kompositionsstudium bei Nigel Osborne in Edinburg und Wolfgang Rihm in Karlsruhe ist sie seit Mitte der 90er Jahre frei schaffende Komponistin und seit 2011 Professorin für Komposition an der Musikhochschule in Hannover. Sie ist Mitglied der Berliner und der Sächsischen (in Dresden) Akademie der Künste und wurde Anfang dieses Jahres mit dem Ernst von Siemens-Musikpreis, quasi dem Musik-Nobelpreis, ausgezeichnet, der mit 250.000 EUR dotiert ist.
Die 51jährige Rebecca Saunders ist inzwischen bei Kennern der Neuen Musik eine hoch geschätzte Komponistin, – die Menge an Aufrufen ihrer Musik bei Youtube kann dafür als Gradmesser dienen. Hochspannung und Dramatik kennzeichnet diese Musik, paradoxer Weise häufig ausgelöst durch Phasen der Stille im Klanggeschehen, welche das dann Folgende als um so heftigere Ausbrüche erscheinen lassen. Der Gegenpol sind ruhige, fast schon melancholische Abschnitte, mit denen einige ihrer Stücke dann auch zu Ende gehen. Obwohl absolute Musik, scheint diese dennoch zum Musikdramatischen zu tendieren. Vielleicht/hoffentlich kann die Musikwelt von ihr die Oper des abstrakten Exressionismus erwarten – als solchen lässt sich ihre Musik m.E. charakterisieren. Der Jour fixe wird anhand von Klangbeispielen dieser in jeder Hinsicht vielseitigen, komplexen, aber eben auch von gegensätzlichen Emotionen gezeichneten Musik und ihrer Schöpferin nachspüren.

Montag, 6. Mai, 20 Uhr, Capella hospitalis
Instrumentale Komposition mit dem Computer
Nachdem der Computer zunächst vor allem die elektronische Komposition beeinflusste, wird dieser zunehmend auch im Bereich der Instrumentalkomposition zum wertvollen Hilfsmittel. In diesem Vortrag geht es sowohl um die technischen und ästhetischen Implikationen dieser neuen Methode, die ich an einigen meiner Stücke versuche zu erläutern. Dabei werden Themen wie Intuition, Selbstreflexion und Struktur, das Phänomenologische der zeitgenössischen Musik sowie Zufall und seine Wahrnehmung exemplarisch aufgegriffen.
Referent: Achim Bornhöft
Montag, 3.6.2019, 20 Uhr, Capella hospitalis

Acuisha – Klanginstallation
Marcus Beuter ist im vergangenen Winter im Rahmen einer Künstlerresidenz in Bolivien im oberen Amazonsabecken gewesen. Aus seinen Aufnahmen entstand die 4-Kanal-Installation Acuisha.
Sie wird erstmalig am 12.7. zur Nacht der Klänge an der Universität Bielefeld zu hören sein.
Im Jour fixe stellt Marcus Beuter die Klanginstallation vor und berichtet von seinen Erfahrungen und Herausforderungen, um in den Regenwald zu gelangen.
Acuisha ist ein Wort aus dem Ese Ejja, einer indigenen Sprache im Amazonasbecken Boliviens. Es bedeutet der Dorn / der Stachel.
Montag, 1.7.19, 20 Uhr, Capella hospitalis

Hörabend.
Montag, 4. Oktober 2019, 20.00 Uhr in der Capella hospitalis, Bielefeld

Am 2. Conradiesischen Abend präsentiert Heidemarie Bhatti-Küppers Materialien und Musik aus dem Jürgen Conrady-Archiv zum Thema „The New York School: Morton Feldman, John Cage und der abstrakte Expressionismus“
Montag, 2.12.2019 20:00 Uhr
Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 50

2020

Die Cooperativa Neue Musik lädt ein zu einem Hörabend.
Einzelne Musikstücke werden vorgestellt und besprochen. Montag, 6.1., 20 Uhr, Capella hospitalis

Words and Music – Beckett-Vertonungen
(Berio, Feldman, Fortner, Glass, Holliger, Kurtag, Mihalovici, Saunders)
Referent: Dr. Ulrich Maske
Die Bedeutung Samuel Becketts für zeitgenössische Komponisten, darunter einige der besten, ist weitgehend unbekannt. Deutlich wurde das bei der Komponistin Rebecca Saunders, Jahrgang 1967, die vor einem Jahr in einem Jour fixe von mir vorgestellt wurde. Sie bekennt: „Bei Beckett fühle ich mich am tiefsten verstanden“
Das gilt umgekehrt auch für den Einfluss der Musik auf den Dichter: Darauf deuten Titel von TV-Skripten Becketts wie „Geistertrio“, „Nacht und Träume“ und das Hörspiel „Words and Music“, aber auch die Anwendung spezieller musikalischer Formtechniken in seinen Texten, wie Sequenzierungen, Variationen, Varianten, Reprisen, genau fixierte Pausen etc.
Nachforschungen im Internet führen schnell zu dem vorläufigen Ergebnis von mindestens acht Komponisten mit 23 Werken, die als Vertonungen – im weitesten Sinne des Wortes – gelten können. Beckett dürfte damit der meist vertonte Dichter der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sein, – gefolgt vermutlich von Ingeborg Bachmann.
In dem Jour fixe der Cooperativa Neue Musik am 3. Februar 2020, der von Dr. Ulrich Maske gestaltet wird, werden Beckett-Vertonungen vollständig oder in Auszügen vorgestellt, sofern sie auf Medien oder im Internet verfügbar sind. Darüber hinaus kann der Abend auch als eine von vielen denkbaren Tours d’horizon der Musik der letzten 60 Jahre genommen werden.

Montag, 3. Februar 2020, um 20.00 Uhr, Capella hospitalis
Wie klingt der Lock-Down?
Beim ersten Jour fixe nach den Beschränkungen geht es um die Veränderung der Klanglandschaft während des Lockdowns. Was hat sich generell verändert? Was im persönlichen Erleben?
Die Cooperativa Neue Musik lädt ein zu einem Austausch über Erfahrungen im Homeoffice, in menschenleeren Innenstädten, in einer Zeit ohne Flugverkehr.
Dazu gibt es Berichte aus der Community der akustischen Ökologie und Klangbeispiele aus verschiedenen Ländern.
Montag, 6.7., 20 Uhr, Capella hospitalis

Einen Tag nach der Veranstaltung „SOLI“ findet unser Jour fixe statt. Das Cooperativa Ensemble lädt ein zu einem Nachklang zur Matinée. Kommen Sie mit uns ins Gespräch, erzählen Sie von Ihren Erlebnissen oder stellen Sie die Fragen, die Sie bezüglich der Veranstaltung „SOLI“ haben.
Montag, 7.9., 20 Uhr, Capella hospitalis

In der Reihe Komponistinnen der Gegenwart stellt Edith Murašov die vokale Kammermusik von Adriana Hölszky (geb. 1953) vor.
Die in Rumänien geborene Pianistin und Komponistin, in deren Schaffen die Vokalmusik eine zentrale Rolle spielt, lehrte an den Musikhochschulen in Stuttgart und Salzburg.
Montag, 5. Oktober 2020, 20.00 Uhr in der Capella hospitalis, Bielefeld.

2021

Botschaften anderer Welten: Die schwedische Malerin Hilma af Klint (1864-1944) und der italienische Komponist Giacinto Scelsi (1905-1988)
– in memoriam Jürgen Conrady –
Ein Jour fixe der Cooperativa Neue Musik am 5. Juli 2021, um 20.00 Uhr, Capella hospitalis
Referent: Dr. Ulrich Maske
An diesem Abend soll es um zwei Künstler, eine Malerin und einen Komponisten, gehen, die beide gleichermaßen die Verbindung mit einer jenseitigen Welt als Quelle ihrer Inspiration und Kreativität nannten.
Da ist einmal die erst 70 Jahre nach ihrem Tod bekannt gewordene schwedische Malerin Hilma af Klint (1862-1944). Ausgelöst wurde ihre inzwischen weltweite Entdeckung durch die erste Einzelausstellung ihrer Werke überhaupt, 2013 im Guggenheim-Museum in New York, mit der höchsten dort je bei der Erstpräsentation einer KünstlerIn erreichten Besucherzahl von 600.000. Schon Jahre vor Kandinsky, Delaunay, Malewitsch, Albers, Twombley, dem automatischen Malen der Surrealisten u.a. hat sie abstrakt gemalt und manche von deren Stilelementen vorweggenommen. Doch wie ist sie von einer konventionellen Landschafts- und Porträtmalerin quasi über Nacht zu diesen „abstrakten“ Bildern gekommen? Eine entscheidende Rolle haben dabei sicherlich ihre lebenslangen Séancen mit Kontakten zu BotschafterInnen einer jenseitigen Welt gespielt, ihr Interesse an Theosophie und Anthroposophie sowie ihre starke Anteilnahme an den Fortschritten der damals zeitgenössischen Naturwissenschaften.
Dann handelt es sich um einen der wichtigsten Neuerer der Musik der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, den italienischen Komponisten Giacinto Scelsi (1905-87). Die Parallelen sind unübersehbar: Auch der wurde erst nach seinem Tode entdeckt, – wenn auch nicht, wie Hilma af Klint, fast 100 Jahre nach ihrer Hauptschaffenszeit, sondern knapp 30 Jahre nach Beginn seiner originalen Kompositionsweise – und ist ebenfalls erst nach jahrelangen Versuchen in konventioneller Musik Ende der 50er Jahre durch Begegnung mit fernöstlichen Meditations- und Transzendenzerfahrungen zu einer ganz eigenen neuen Musik gekommen: Er komponierte seitdem nur nachts, improvisierte in einer durch Meditations- und Yogatechniken erreichten Trance, nahm dabei seine Musik mit Tonband auf, ließ sie von einem angeheuerten Komponisten gemäß seinen Anweisungen und Korrekturen in Notenschrift umsetzen und dann in der berühmten „Schublade“ verschwinden, – mangels Nachfrage. „Ich lebe nur für die Transzendenz“ hat er einmal gesagt und gemeint, während seiner Improvisationen in Trance strömten kosmische Wellen und Rhythmen durch ihn hindurch, denen er nachspüre, sie künstlerisch konkretisiere und damit seinen Auftrag in dieser Welt erfülle.
Es wird nun darum gehen, die gemeinsame Quelle von Inspiration und künstlerischer Innovation dieser beiden singulären Vertreter ihrer Kunstsparten anhand von Quellen herauszuarbeiten, und an möglichst vielen multimedial kombinierten Beispielen aufzuzeigen.

selbstverständlich – mit leerstellen
selbstverständlich – mit leerstellen ist eine Klanginstallation von Marcus Beuter für den öffentlichen Raum.
Jüdisches Leben ist in Deutschland seit über 1700 Jahren selbstverständlich. Es gehört zum hiesigen Kulturkreis dazu und bereichert damit die Vielschichtigkeit der Gesellschaft.
Es ist aber auch ebenso Teil der Geschichte, dass jüdisches Leben immer wieder unterdrückt wurde, dass es Gewalt gegen jüdische Gemeinden und Mitbürger gab bis hin zu dem Versuch das jüdische Leben in ganz Europa zu vernichten. Der Holocaust hat Leerstellen hinterlassen. Leerstellen, die weit über den unfassbaren Verlust jedes einzelnen Menschen hinausgehen. Leerstellen in unserer Kultur, in unserer Gesellschaft. Die Komposition selbstverständlich – mit leerstellen basiert auf Interviews mit Mitgliedern und dem Kantor der jüdischen Gemeinde Bielefeld, sowie der Rabbinerin der jüdischen Gemeinden Unna, Köln und Oberhausen. Zusätzlich enthält sie liturgische Gesänge und Aufnahmen des Shofar. Und letztlich noch Störgeräusche, die alle auf Aufnahmen in der Synagoge Bielefeld basieren. Die Klanginstallation besteht in zwei Versionen. Für Innenräume wurde eine 4-Kanal-Komposition erschaffen. Das Publikum wird von den Klängen umfangen und die räumliche Verortung schafft eine stärkere Verbindung zu dem Raum, in dem die Installation zu hören ist. Für die Außeninstallation entstand eine Stereoversion mit Pausen, so dass sie mehr wie eine Intervention wirkt. Das Projekt wurde zum jüdischen Festjahr 2021 umgesetzt. Es entstand in enger Kooperation mit den Jüdischen Kultusgemeinden Bielefeld und Unna.
Die 4-Kanal-Installation war im Mai in der Synagoge Bielefeld und im August in der Synagoge Unna zu hören. Im Juni war die Außeninstallation am Jahnplatz in Bielefeld gerichtet auf das ehemalige jüdische Textilkaufhaus zu hören und im September vor dem St. Bonifatius Heim, dem ehemaligen jüdischen Altenheim für Westfalen.
Ebenfalls im September wurde die Installation in der Petrikirche Versmold realisiert.
Im Jour fixe der Cooperativa Neue Musik wird die Klanginstallation vorgestellt und die Erfahrungen der Realisation werden erläutert.
Mit Marcus Beuter
Montag, 4.10., 20 Uhr, Capella hospitalis, Teutoburger Str. 50

Im Rahmen des Jour fixe am 8. November um 20 Uhr in der Capella hospitalis in der Teutoburger Str. 50 stellt Jochen A. Modeß Beispiele seiner Musik auf visuelle Anregungen vor. Der Referent war langjährig als Kirchenmusiker tätig, u.a. in Bielefeld (Neustädter Marienkirche) und Greifswald. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er auch immer wieder kompositorische Beiträge geleistet. Mehrere Werke entstanden auf visuelle Anregungen: diese reichen von der Stadtsilhouette Greifswalds bis zu Bildern von Caspar David Friedrich. Modeß wird den Kontext der Entstehungen erläutern und Ausschnitte der musikalischen Auseinandersetzungen mit den visuellen Eindrücken zu Gehör bringen.

Duoni Liu, eine Komponistin aus China erzählt uns durch ihre ausgewählten Stücke, was ihre Kunstästhetik ist, warum politische Themen eine große Rolle in ihrer Komposition spielen, wie sie als chinesische Künstlerin, die seit 10 Jahren in Deutschland lebt und Teil einer neuen Generation von Komponist:innen ist, über die Musikwelt denkt.
Montag, 06.12.21, 20 Uhr, Capella hospitalis