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Über die Komponisten... Die Globalisierung hat auch bei der modernen Musik nicht halt gemacht: Die Kenntnis der großen alten Musikkulturen des Fernen und Nahen Ostens ist für zeitgenössische westliche Komponisten eine Selbstverständlichkeit. Umgekehrt haben sich Japanische, Chinesische, Südkoreanische und - inzwischen auch - Arabische Musiker seit den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts kontinuierlich mit dem erreichten Stand des Komponierens im Westen vertraut gemacht. Einige sind als schaffende und lehrende Künstler hier geblieben und stellen damit eine wichtige Vermittlungsinstanz zwischen den Kulturen dar. Zwei von ihnen werden in dem Konzert am 25.Mai mit ihrer Musik vorgestellt: Younghi Pagh-Paan , Jahrgang 1945, kam nach einem Kompositionsstudium an der Seoul National University nach Deutschland, wo sie 1974-79 an der Musikhochschule in Freiburg bei Klaus Huber und Brian Ferneyhough Komposition studierte. International bekannt machte sie die Uraufführung ihres Orchesterstückes SORI bei den Donaueschinger Musiktagen 1980. Seither sind ihre Werke überall auf der Welt, besonders bei Neue-Musik-Festivals zu hören. Nach Gastprofessuren in Graz und Karlsruhe ist sie seit 1994 Professorin für Komposition an der Hochschule für Künste in Bremen, wo sie das Atelier Neue Musik gründete und seither leitet. Während ihres Kompositionsstudiums in Deutschland verschrieb sie sich zunächst mit Haut und Haaren der westlichen Modernen Musik. Aber “...wie bei vielen anderen, die - wie wir sagen - draußen leben, brachte die zunehmende Erfahrung der Ferne eine Gegenbewegung in mir hervor. Diese zwingt mich, in die Geschichte meines Landes einzudringen, die mir wie ein Spiegel einer allgemeinen Weltsituation erscheint.“ Seither wurzelt das Schaffen von Younghi Pagh-Paan geistig und musikalisch zwar in der koreanischen Kultur, darüber hinaus ist es ihr jedoch gelungen, koreanischen Elemente in das differenzierte westliche moderne Komponieren zu integrieren - und umgekehrt. Ähnlich wie ihr bekannter, eine Generation älterer Landsmann Isang Yun fand sie in Europa ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil. Anders als Yun, der seine Musik als „organisierte Unorganisiertheit“ umschrieb, strebt sie eine „organische Organisation“ an. Ein besonders reizvoller Aspekt dieses Konzertes ist die Tatsache, daß neben die Arbeiten der Lehrerin Pagh-Paan solche ihres um eine Generation jüngeren Schülers Odeh-Tamimi gestellt werden, der sich allerdings inzwischen seinen eigenen Stil erarbeitet und sich als frei schaffender Komponist in Berlin niedergelassen hat. Über das Verhältnis zu seiner Lehrerin sagt Odeh-Tamimi: „Ich bin unendlich dankbar, daß ich ihr begegnet bin. Ich weiß, sonst wäre ich jetzt kein Komponist. Ich kam aus einer völlig anderen Welt, und sie wußte damit umzugehen und erkannte, was ich habe.“ Mit anderen Worten: Pagh-Paan gab gewissermaßen ihre eigene Erfahrung weiter und lehrte ihren palästinensischen Studenten, der seine kulturelle Herkunft mittlerweile ablehnte, diese für sich zu nutzen und aus der Kraft der Erinnerung zu schöpfen. Samir Odeh-Tamimi , Jahrgang 1970, stammt aus einem kleinen palästinensischen Dorf bei Tel Aviv. Als Jugendlicher spielte er in traditionellen arabischen Ensembles. Nach musikwissenschaftlichen Studien an der Universität Kiel und einem Kompositionsstudium in Bremen bei der Südkoreanerin Younghi Pagh-Paan lebt er in Berlin. Wie seine Lehrerin hatte er, exakt eine Generation nach ihr, bei den Donaueschinger Tagen für Neue Musik seinen Durchbruch zur Akzeptanz bei Publikum, Kritik und Veranstaltern mit dem Werk „Gdadrója“ für 3 hohe Soprane und Orchester. Mit Odeh-Tamimi gibt es nunmehr endlich einen Komponisten, der Orient und Okzident, seine arabische Musiktradition und westliche neueste Musik verbindet, so daß in je anderen Mischungsverhältnissen neuartige Qualitäten resultieren. Darauf haben wir lange gewartet, nachdem die großen fernöstlichen Musikkulturen Japan, Korea und zuletzt auch China diesen Schritt längst vollzogen hatten und immer wieder in den Programmen der Cooperativa Neue Musik vorgestellt worden waren.
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